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Paris
Rückschlag für den Front National

Paris. In der mit Spannung erwarteten zweiten Runde der französischen Regionalwahlen hat der rechtsextreme Front National von Parteichefin Marine Le Pen keine Region für sich gewinnen können. Von Christine Longin

Der letzte Stimmungstest vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich ist zu einem Votum gegen den Front National geworden. Die Rechtspopulisten von Marine Le Pen gewannen in der zweiten Runde der Regionalwahlen, in der die Wahlbeteiligung mit 58,2 Prozent deutlich höher lag als zuletzt, keine einzige Region, nachdem sie am Sonntag noch in sechs Regionen vorne gelegen hatten. Le Pen selbst unterlag in Nord-Pas-de-Calais-Picardie Prognosen zufolge mit rund 42 Prozent dem konservativen Kandidaten Xavier Bertrand mit rund 58 Prozent. "Das ist kein Sieg der politischen Parteien, sondern der Leute aus dem Norden", sagte der ehemalige Minister, der ausdrücklich den Wählern der Linken dankte. Die Sozialisten hatten ihren Kandidaten zurückgezogen, um den FN zu stoppen.

Dieselbe Entscheidung fällte die Regierungspartei auch in der Mittelmeerregion, wo der konservative Kandidat Christian Estrosi mit rund 54 Prozent gegen Le Pens Nichte Marion Maréchal-Le Pen gewann. Auch in der Region Elsass-Lothringen-Champagne Ardenne an der Grenze zu Deutschland unterlag der FN-Kandidat Florian Philippot, obwohl der sozialistische Bewerber im Rennen geblieben war. Dort gewann der konservative Kandidat Philippe Richert.

In der ersten Runde am vergangenen Sonntag war der FN landesweit mit knapp 28 Prozent stärkste Kraft geworden. Im Norden und in der Mittelmeerregion Provence Alpes-Côte D'Azur hatten Marine Le Pen und ihre Nichte mit jeweils rund 41 Prozent der Stimmen einen Sieg erzielt, der deutlicher ausfiel, als die Umfragen erwarten ließen.

Doch die Ergebnisse der Stichwahl zeigen, dass die beiden Kandidatinnen damit auch ihr Potenzial weitgehend ausgereizt hatten. Auch in der Region Languedoc-Roussillon-Midi-Pyrenées kam Le Pens Lebensgefährte Louis Aliot, der nach der ersten Runde führte, kaum über sein Ergebnis vom vergangenen Sonntag hinaus. Dort gewann die sozialistische Ex-Ministerin Carole Delga.

Die Sozialisten (PS) lagen ersten Prognosen zufolge in mindestens fünf Regionen vorn. Die hart umkämpfte Großregion Île de France um Paris könnte als sechste dazukommen. Damit schnitt die Regierungspartei schwach ab im Vergleich zu den Regionalwahlen 2010, als sie 21 der damals noch 22 Regionen gewonnen hatte. Die PS präsentierte sich jedoch als einzige wirkliche Alternative zum Front National. Vor allem Regierungschef Manuel Valls machte mit deutlichen Worten Wahlkampf gegen den FN, den er als "rassistische und antisemitische Partei" bezeichnete. Im Falle eines Sieges warnte er vor einem Bürgerkrieg. Die konservativen Republikaner, die ebenfalls mindestens fünf Regionen gewannen, profitierten vom Rückzug der Sozialisten in zwei Regionen. Parteichef Nicolas Sarkozy hatte seinerseits die jahrelang übliche "republikanische Front" gegen den FN verweigert und seine Kandidaten auch dort im Rennen gelassen, wo sie auf aussichtsloser Position lagen. Gleichzeitig weigerte der Ex-Präsident sich, ein Votum für den FN zu verurteilen. Es sei nicht unmoralisch, für die Partei von Marine Le Pen zu stimmen, die einen islamfeindlichen und antieuropäischen Kurs verfolgt.

Le Pen sagen Meinungsforscher einen Einzug in die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen voraus. Dort könnte sie Sarkozy oder dem sozialistischen Präsidenten François Hollande gegenüberstehen. Doch der Weg Richtung Pariser Machtzentrale ist nicht nur steinig für Le Pen, er könnte sich auch als zu lang erweisen. Denn nach der französischen Verfassung muss die mit zahlreichen Kompetenzen bis hin zum obersten Militärchef ausgestattete Spitze des Staats mit absoluter Mehrheit gewählt werden. Nach allen Umfragen hat Le Pen bisher keine Chance in einem zweiten Wahlgang gegen dann nur einen Gegner - egal wie er heißen wird.

Quelle: RP
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