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1600 Kilogramm Sprengstoff in Südfrankreich gestohlen: Rüstet die ETA für neue Anschläge auf?

zuletzt aktualisiert: 08.03.2001 - 14:13

Grenoble (rpo). Die baskische Untergrundorganisation ETA scheint sich für neue Anschläge zu rüsten: In Südfrankreich hat ein Kommando der ETA 1600 Kilogramm Sprengstoff in seinen Besitz gebracht.

Etwa acht Männer hätten am Mittwochabend eine Firma für Industriesprengstoff in einem Vorort von Grenoble angegriffen und das Sicherheitspersonal in zwei Lagerhäusern überwältigt, hieß es am Donnerstag aus Justizkreisen.

Spaniens Innenminister Mariano Rajoy reagierte mit Besorgnis: "Dies ist eine schlechte Nachricht." Er äußerte die Hoffnung, dass der Sprengstoff schnell wiederbeschafft und die Täter gefasst werden könnten. In Frankreich übernahmen Anti-Terrorismus-Experten die Ermittlungen. Im Departement Pyrenees-Atlantique, das an Spanien grenzt, wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

Die bewaffneten und maskierten Terroristen hatten den Geschäftsführer des Unternehmens überfallen. Er musste ihnen den Zugang zu den Lagerhäusern zeigen, während seine Frau und Kinder als Geiseln genommen wurden. Die Täter verfrachteten auch 20 000 Zünder und 10 Kilometer Zündschnur in zwei Lastwagen. Während die explosive Beute abtransportiert wurde, hielt ein Mitglied des Kommandos den Geschäftsführer und seine Familie weitere zwei Stunden in Schach. Dann setzte er sich mit einem Auto eines Freundes der Familie ab.

Ein Täter an der spanischen Grenze gefasst

Einer der Täter wurde in der Nacht auf dem Weg zur spanischen Grenze an einer Straßensperre gefasst. Er hatte eine 9-Millimeter- Pistole, einen falschen Ausweis und Propagandamaterial der ETA bei sich. Der Spanier war in einem Auto mit gestohlenen Kennzeichen unterwegs.

Ende Februar hatte die Polizei in Südfrankreich den mutmaßlichen Chef der ETA-Terrorkommandos, Xabier Garcia Gaztelu alias "Txapote" gefasst. Wenige Stunden vorher hatte die ETA im morgendlichen Berufsverkehr in der nordspanischen Hafenstadt San Sebastian eine Autobombe hochgehen lassen. Zwei Menschen starben.

Die ETA stiehlt in Frankreich immer wieder Sprengstoff, den sie dann für Anschläge in Spanien benutzt. Ende 1999 raubte die Organisation mehr als 8 Tonnen Industriesprengstoff aus einem Baudepot, von denen nur fünf wiederbeschafft werden konnten. Die nun überfallene Firma gehört zur gleichen Gesellschaft. Außerdem hat die ETA Trainingscamps und Waffenlager im Nachbarland.

Allein in diesem Jahr hat die Terrororganisation bereits drei Menschen getötet. Seit dem Ende des Waffenstillstandes Ende 1999 waren 26 Tote zu beklagen. In Spanien wird angesichts der am 13. Mai bevorstehenden Regionalwahlen im Baskenland eine neue Terroroffensive der ETA befürchtet. In letzter Zeit waren immer wieder Anschläge der Organisation gescheitert, weil das von ihr benutzte Dynamit bereits verfallen und die Zünder veraltet waren. Die ETA kämpft seit mehr als 40 Jahren für einen unabhängigen Baskenstaat. Bei ihren Anschlägen sind seitdem über 800 Menschen ums Leben gekommen.

Quelle: RPO Archiv

 
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