Dalai Lama in Deutschland: Rüttgers: "Tibetisches Volk braucht unsere Solidarität"
zuletzt aktualisiert: 15.05.2008 - 21:33Bochum (RPO). Schon der erste Tag des Dalai Lama-Besuchs in Deutschland strotzte nur so vor Forderungen nach Autonomie, Solidarität und Harmonie. Der Friedenspreisträger und seine deutschen Gesprächspartner zeigten sich in der Tibet-Frage einig und hoffen auf chinesische Gesprächsbereitschaft.
Der Dalai Lama hat zum Auftakt seines fünftägigen Besuchs in Deutschland die Forderung der Tibeter nach echter Autonomie unterstrichen. Zugleich machte das geistliche Oberhaupt der Tibeter am Donnerstag erneut deutlich, dass sein Volk keine politische Unabhängigkeit von China anstrebe.
Mit Blick auf die begonnenen Gespräche zwischen Vertretern der Exil-Tibeter mit der chinesischen Staatsführung zeigte sich der Friedensnobelpreisträger von 1989 zuversichtlich, dass es zu einem Verständnis zwischen beiden Seiten kommen könne.
In Bochum, wo er am Freitag auf einem Kongress einen Vortrag halten will, traf der Dalai Lama mit Bundestagspräsident Norbert Lammert und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (beide CDU) zusammen. Beide Politiker bekräftigten ihre Unterstützung für das Anliegen der Tibeter. "Das tibetische Volk braucht unsere Solidarität", sagte Rüttgers. Zuvor war der Dalai Lama bei seiner Ankunft auf dem Flughafen Frankfurt am Main von Hessens geschäftsführendem Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) empfangen worden.
Der Dalai Lama hält sich erstmals seit Beginn der Tibet-Unruhen im März in Europa auf. Als Ziel seiner Reise nannte der Dalai Lama, für menschliche Werte und religiöse Harmonie werben zu wollen.
Mit der Ablehnung deutscher Politiker, darunter Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Bundespräsident Horst Köhler, ihn zu empfangen, habe er "kein Problem", bekräftigte er. "Ein Problem ist es, ein halbes Jahrhundert heimatlos zu sein." Und ein Problem wäre es, wenn das tibetische Volk und seine Kultur ausstürben.
Lammert machte nach seinem Treffen mit dem Dalai Lama deutlich, dass Tibet in der Frage der Menschenrechte "kein Sonderfall", sondern ein "exemplarisches Thema" geworden sei. In der Tibet-Frage gehe es um den allgemeinen Anspruch auf Gewährleistung der Menschenrechte und von Rechtstaatlichkeit in der Welt.
Koch sagte, die chinesische Führung habe erkannt, dass sie die Probleme des tibetischen Volkes nicht mehr ignorieren könne. Er hoffe, dass die Verhandlungen in den nächsten Monaten in konkrete Vereinbarungen mündeten. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass es sich nur um eine "Schaufensterveranstaltung" vor den Olympischen Spielen handele.
Nach Einschätzung des Dalai Lama ist der chinesische Staatschef Hu Jintao um "Harmonie und Stabilität" bemüht. Diese könnten aber "nur von Herzen und nicht von Gewehren kommen". In der Tibet-Frage gehe es "nicht um einen Bürgerkrieg", sondern eine "politische Angelegenheit".
Für Montag ist ein Gespräch mit Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) geplant. Es ist die einzige Begegnung des Dalai Lama mit einem Mitglied der Bundesregierung. Die chinesische Botschaft in Berlin will gegen das Treffen beim Auswärtigen Amt protestieren.
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