Häufung der Creutzfeldt-Jakob-Fälle in Großbritannien: Ruf nach neuem Exportverbot für britisches Rindfleisch
zuletzt aktualisiert: 06.08.2000 - 15:41Hamburg (AP) Eine Wiedereinführung des Exportverbots für britisches Rindfleisch fordern Nordrhein-Westfalen und das Saarland. Die Häufung der Creutzfeldt-Jakob-Fälle in Großbritannien sei alarmierend, sagte Josef Hecken, Staatssekretär im saarländischen Gesundheitsministerium der "Saarbrücker Zeitung".
Der Staatssekretär Thomas Griese vom Düsseldorfer Umweltministerium sagte der "Welt am Sonntag": "Wir halten ein Exportverbot nach wie vor für richtig."
Die Aufhebung des Importverbots durch den Bundesrat im März sei falsch gewesen, sagte Hecken. Nun müsse Druck auf die EU-Kommission ausgeübt werden, auch europaweite Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. Der britischen Regierung warf Hecken vor, die Zunahme der Creutzfeldt-Jakob-Fälle, die von BSE-Erregern herrühren sollen, öffentlich herunterzuspielen. "Hier werden vorwiegend wirtschaftliche Interessen verfolgt, so schlimm das auch ist."
Griese wies darauf hin, dass in Großbritannien 69 Menschen an der Hirnerkrankung gestorben seien. "Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die von der EU erzwungene Aufhebung des Exportverbots verfrüht war." Den Bericht des wissenschaftlichen Lenkungsausschusses der EU nannte er ein Ablenkungsmanöver. Wenn ohne Fakten behauptet werde, in Deutschland gebe es ein BSE-Risiko, zeige das letztlich, dass die EU "vor den dramatischen Vorgängen in Großbritannien die Augen verschließt", sagte der Staatssekretär der Grünen-Ministerin Bärbel Höhn.
Griese forderte zudem eine Verbesserung der "völlig unzureichenden" Kennzeichnung britischer Fleischwaren. Der sechseckige Aufdruck "XEL" verschleiere mehr, als zu verdeutlichen, meinte der Staatssekretär.
Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Klaudia Martini kritisierte in demselben Blatt, "dass ein angesehenes wissenschaftliches Gremium der EU aufgrund höchst fragwürdiger Annahmen Hypothesen entwickelt, die der Situation in Deutschland nicht gerecht werden". Die Verbraucher könnten nach wie vor davon ausgehen, dass Rindfleisch deutscher Herkunft als unbedenklich angesehen werden könne. Auch ihre schleswig-holsteinische Kollegein Ingrid Franzen nannte die Bewertung der EU-Experten äußerst fragwürdig. Mit der Einstufung als BSE-Risikoland werde Deutschland in Sippenhaft genommen.
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