Nordirland: Keine Zwischenfälle mehr: Ruhe nach Höhepunkt der Oranier-Märsche
zuletzt aktualisiert: 13.07.2000 - 07:12Belfast (AP). Nach dem Höhepunkt der traditionellen Siegesmärsche des protestantischen Oranier-Ordens am Mittwoch ist es in der Nacht zum Donnerstag in Nordirland weitgehend ruhig geblieben. Die Polizei erklärte, nach dem Ende der Märsche und dem Einbruch der Dunkelheit seien aus den protestantischen Hochburgen keinerlei gewaltsame Zwischenfälle gemeldet worden.
Am Mittwoch hatten verschiedentlich gemäßigte Protestanten zu einem Ende der Gewalt aufgerufen, die die britische Provinz seit rund einer Woche erschüttert.
Am Mittwoch marschierten über 80.000 Oranier durch Belfast und 17 andere Orte Nordirlands, um des Sieges des protestantischen Prinzen Wilhelm von Oranien über den katholischen König Jakob II. am 12. Juli 1690 zu gedenken. Schwer bewaffnete Soldaten und Polizisten verhinderten dabei in Belfast einen Marsch des protestantischen Ordens durch ein katholisches Viertel.
In der Nacht zum Mittwoch war es bereits zu Straßenschlachten zwischen radikalen Protestanten und Einsatzkräften gekommen, bei denen allein in der Stadt Portadown 21 Polizisten und fünf Soldaten verletzt wurden. Ebenfalls am Vorabend war bei Feiern radikaler Protestanten ein Mann getötet worden.
In Begleitung von vier Musikkapellen marschierten etwa 200 Mitglieder des Ordens von dessen Sitz Ballynafeigh zu der einen Kilometer entfernten Ormeau-Brücke. Dort versperrten ihnen schwer bewaffnete Polizisten und Soldaten den Zugang zu dem von Katholiken bewohnten Stadtteil Lower Ormeau. Die Oranier weigerten sich erwartungsgemäß, eine andere Strecke in die Innenstadt zu wählen. Dort hatten sich 10.000 Anhänger zu einem Marsch zu Ehren von Wilhelm von Oranien versammelt.
Die Oranier verharrten zunächst vor der Brücke unter dem Bildnis des siegreichen Wilhelm. Wie im vergangenen Jahr zogen sie dann zu einem Park gegenüber des katholischen Viertels auf der anderen Seite des Flusses. Die Anhänger des Oranier-Ordens protestieren seit über einer Woche gegen das Verbot, ihre Traditionsmärsche durch katholische Wohngebiete zu führen.
Seit Beginn der Proteste am 2. Juli nahm die Polizei nach eigenen Angaben 146 mutmaßliche Unruhestifter fest und beschlagnahmte fast 1.000 Brandbomben. Demonstranten setzten 88 Fahrzeuge in Brand, mehr als 60 Angehörige der Einsatzkräfte wurden verletzt.
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