| 10.57 Uhr

Washington
Russen sollen Mails der Demokraten gehackt haben

Washington. Hillary Clintons Wahlkampfteam beschuldigt die Republikaner, mit Online-Attacken in Verbindung zu stehen.

Der Wahlkampfmanager der demokratischen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, John Podesta, hält die Veröffentlichung seiner gehackten E-Mails durch Wikileaks für ein Werk Russlands zugunsten von Clintons Konkurrenten Donald Trump. Das sagte er am Dienstag (Ortszeit) auf einem Flug von Miami nach New York vor Journalisten. Dies müsse Anlass zu "größter Sorge für alle Amerikaner" sein, sagte Podesta.

Die von Julian Assange gegründete Enthüllungsplattform Wikileaks hatte am Freitagabend begonnen, Tausende E-Mails von Podestas persönlichem Googlemail-Konto zu veröffentlichen. Ein Hacker mit dem Pseudonym Guccifer 2.0 stellte auch anderen Websites das Material zur Verfügung. Der Hackerangriff soll von Russland ausgegangen sein. Podesta zufolge ist der Trump-Vertraute Roger Stone das Bindeglied zwischen Trump und Assange.

Die Veröffentlichung der E-Mails löste bislang keine Skandale aus, allerdings erhielt die Öffentlichkeit dadurch Einblicke in die Arbeitsweise von Clintons Wahlkampfteam. Podesta sagte, die Bundespolizei FBI habe ihm bestätigt, dass sie "den kriminellen Hack" untersuche.

Die Wikileaks-Enthüllungen seien eine "Gegenmaßnahme gewesen, um zu versuchen, die öffentliche Aufmerksamkeit von den verabscheuungswürdigen Dingen abzulenken", die Trump in einem kurz zuvor veröffentlichten Video gesagt habe, sagte Podesta. In der heimlichen Aufzeichnung aus dem Jahr 2005 äußerte sich der Immobilienmilliardär vulgär über Frauen und prahlte mit sexuellen Zudringlichkeiten. Die Äußerungen lösten große Empörung aus, Dutzende republikanische Mandatsträger entzogen Trump ihre Gefolgschaft.

"Ob das Herrn Assanges Entscheidung war, um zu versuchen, Herrn Trump zu helfen, oder ob es da eine Koordinierung gab, kann ich nicht wissen", kommentierte Podesta nun. "Ich sage nur, es ist ein absolut seltsamer Zufall, dass dies genau zu dem Zeitpunkt geschah, als das Wasser kurz vor dem Siedepunkt war", fügte Podesta mit Blick auf die hochkochende öffentliche Empörung über Donald Trump hinzu.

Dieser ging am Dienstagabend auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida auf die gehackten Mails ein. Diese zeigten, dass Clinton "das Gefäß eines korrupten globalen Establishments ist, das unser Land plündert und die Souveränität unserer Nation einkesselt", sagte Trump.

Auch US-Präsident Barack Obama hatte die russische Regierung am Freitag beschuldigt, mit Cyberattacken auf politische Einrichtungen in den USA den US-Wahlkampf beeinflussen zu wollen. Obama drohte mit Konsequenzen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Washington: Russen sollen Mails der Demokraten gehackt haben


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.