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Moskau
Russland hofft auf Profit in der Türkei

Moskau. Die Versöhnung mit Erdogan weckt übertriebene Erwartungen in Moskau. Von Klaus-Helge Donath

Ein Bündnis mit Moskau könne kein vollwertiger Ersatz sein für Ankaras Allianz mit dem Westen. Millionenfach sei das Land mit Europa und den USA verbunden, schrieb das russische Boulevardblatt "Moskowski Komsomolez" gestern, am Tag nach der Versöhnungsvisite Recep Tayyip Erdogans bei Kremlchef Wladimir Putin. Eine nüchterne Stimme, die dem Chor geopolitischer Trophäenjäger realistische Analysen entgegenhielt. Zum Zerwürfnis war es gekommen, als im November die Türken einen russischen Jet an der syrischen Grenze abschossen.

Tatsächlich dürfte sich der wirtschaftliche Nutzen der neuen Einigkeit in Grenzen halten - auch wenn in Moskau Absichtserklärungen im Dutzend verkündet werden: Die Aufhebung des Importstopps für türkisches Obst und Gemüse soll bis Jahresende verfügt werden. Visabeschränkungen für Türken und das Arbeitsverbot für türkische Baufirmen sollen aufgehoben werden. Pauschaltouristen könnten den Altweibersommer noch an der türkischen Riviera verbringen. All das versah Putin mit dem Vorbehalt, die Wiederbelebung der Beziehungen gehe nicht im Hauruckverfahren.

Erdogan hatte es eiliger. Er wartete mit dem Vorschlag auf, das Projekt der Gaspipeline "Turk Stream" zum Export russischen Erdgases durch das Schwarze Meer via Türkei nach Südeuropa wieder anzukurbeln. Das war allerdings bereits vor dem russisch-türkischen Streit kräftig zusammengestrichen worden. Vor dem Hintergrund sinkender russischer Exporteinnahmen aus dem Gasverkauf und des Überangebots an Transportmöglichkeiten Richtung Westen haftet der Geopolitik mit Röhren etwas Archaisches an. Europäischen Abnehmern dürfte auch nicht verborgen geblieben sein, dass die Abnahme im postsowjetischen Raum stagniert.

Unterm Strich sind die wirtschaftlichen Verflechtungen der Türkei mit Russland überschaubar: 2,5 Prozent der türkischen Exporte gehen nach Russland. Einfuhren von dort belaufen sich auf zehn Prozent einschließlich Gas und Öl. Dem stehen 38 Prozent Importe aus der EU und 44,5 Prozent aller türkischen Exporte in die EU gegenüber.

Quelle: RP
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