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Aleppo
Russland stoppt Angriffe auf Aleppo

Aleppo. Diese "Geste des guten Willens" soll die Flucht von Zivilisten ermöglichen.

Russland und Syrien haben am gestrigen Morgen überraschend ihre Luftangriffe auf die umkämpfte syrische Großstadt Aleppo ausgesetzt - bereits zwei Tage vor einer für morgen zwischen 8 und 16 Uhr angekündigten "humanitären Feuerpause".

Dadurch solle gewährleistet werden, dass insgesamt acht Fluchtkorridore eingerichtet werden können, durch die Zivilisten und moderate Rebellen die Stadt verlassen können, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Er forderte aber gleichzeitig die Länder mit Einfluss auf Kämpfertruppen dazu auf, ihren Teil beizutragen und die Kämpfer von einem Abzug aus Aleppo zu überzeugen. Das sei eine zentrale Voraussetzung für eine dauerhafte Waffenrufe.

Syrische und russische Kampfjets hatten gestern um 10 Uhr Ortszeit ihre Bombardements eingestellt - nach den heftigsten Angriffen seit Ausbruch des Konflikts in den Wochen zuvor. Schoigu kündigte zudem den Rückzug der syrischen Armee an, so dass Kämpfer den Osten der Stadt durch zwei der acht Korridore verlassen könnten. Alle weiteren "Notausgänge" seien für die Zivilbevölkerung vorgesehen.

Der Westen kritisierte die angekündigte Pause angesichts der katastrophalen humanitären Lage vor Ort als zu kurz. Noch immer leben rund 250.000 Menschen in den Rebellengebieten im Osten Aleppos. Sie leiden unter einem massiven Mangel an Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung. Daher forderte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier eine längere Waffenruhe: "Mehr ist möglich, und mehr ist auch ein Gebot der Menschlichkeit." Auch UN-Organisationen reagierten skeptisch - sie fordern klare Sicherheitsgarantien für ihre Mitarbeiter, die bislang aber von keiner Seite vorlägen. Demgegenüber bezeichnete Russlands Außenminister Sergej Lawrow die vorgezogene Kampfpause als "Geste des guten Willens".

Seit dem frühen Morgen seien im Konfliktgebiet zwar keine Luftangriffe mehr registriert worden, berichtete der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdul Rahman. Doch er betonte, dass Zivilisten nur von der UN bewachte Fluchtkorridore nutzen würden, damit ein sicherer Abzug mit ihren Kindern gewährleistet werde.

Militärexperten Russlands und der USA sollen heute in Genf über die Lage in Syrien beraten. Russland werde aber auch den Angriff auf die irakische Stadt Mossul beobachten und reagieren, sollten Kämpfer des Islamischen Staates etwa nach Syrien fliehen, kündigte Lawrow an.

Quelle: RP
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