Nach Bluttat im bayrischen Internat: Schärfere Waffengesetze gefordert
zuletzt aktualisiert: 19.03.2000 - 10:43Hamburg (dpa). Nach der Bluttat in einem bayerischen Internat haben Politiker von Union und FDP ein schärferes Waffengesetz gefordert. Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Recht der CDU/CSU-Fraktion, Norbert Geis, sagte der "Welt am Sonntag", Erwachsene sollten härter bestraft werden, wenn sie ihre Waffen nicht gut genug vor dem Zugriff von Unbefugten sichern.
Ein 16 Jahre alter Schüler hatte am Donnerstag im oberbayerischen Brannenburg seinen Internatsleiter niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt. Danach hatte er mit einem Schuss in den Kopf versucht, auch sich selbst das Leben zu nehmen. Wie die Polizei am Sonntag berichtete, ist der Zustand von Täter und Opfer nach wie vor unverändert kritisch. Bei dem Vater des Jungen fand die Polizei ein umfangreiches Waffenarsenal. Er wurde wegen Verstößen gegen das Waffenrecht und das Kriegswaffenkontrollgesetz am Freitag in Haft genommen.
Der stellvertretende Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach, forderte auch Hilfen für Schulen, die Sicherheitsvorkehrungen einführen wollen. Auch die FDP- Bundestagsabgeordneten Hans-Michael Goldmann und Jürgen Türk sprachen sich für Waffenkontrollen an Schulen aus.
Der 43 Jahre alte Vater hat in seinem Haus sogar Maschinengewehre aufbewahrt. Auch die Tatwaffe stammt aus seinem Besitz. Die Polizei fand bei einer Durchsuchung im Keller des Bad Aiblinger Hauses mehr als 70 Waffen und 6 500 Schuss Munition. Bis auf die Maschinengewehre und ein Sturmgewehr sind alle Waffen legal im Besitz des Vaters.
Das Motiv des Schülers für die Bluttat dürfte nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Rache für die Entlassung von der Schule sein. Nachdem er am Mittwoch von zwei Erziehern nach Hause gebracht worden war, verschaffte er sich dort den Schlüssel zur "Waffenkammer" des Vaters und holte sich die beiden Pistolen. Vom Treppenhaus im Parterre des Internatsgebäudes schoss er dann am Donnerstag auf den zwei Etagen höher im Treppenhaus stehenden Heimleiter, ehe er die Waffe gegen sich selbst richtete.
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