Hamas bekennt sich zu Attentat: Scharon: Wir befinden uns im Krieg
zuletzt aktualisiert: 31.03.2002 - 20:23Haifa/Jerusalem (rpo). Die Gewaltspirale im Nahen Osten dreht sich immer weiter und droht zum offenen Krieg zu ekalieren. Nachdem ein Selbstmordanschlag in Haifa mindestens 15 Todesopfer forderte, sagte Israel Regierungschef Scharon, sein Land "befände sich im Krieg".
Ministerpräsident Ariel Scharon erklärte am Sonntag in einer kurzen Fernsehansprache, Israel werde ohne Rücksicht auf jeden neuen Gewaltakt der Palästinenser reagieren. Der als extremer Hardliner geltende Scharon bezeichnete den palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat erneut als Feind und als Gefahr für die Stabilität im Nahen Osten.
Scharons Worten waren zwei neue palästinensische Anschläge in Haifa und einer jüdischen Siedlung im Westjordanland vorausgegangen, bei denen 15 Menschen getötet und über 40 verwundet wurden.
Bei israelischen Militäraktionen im Westjordanland kamen 13 Palästinenser ums Leben. Auch im belagerten Hauptquartier des Palästinenserführers Jassir Arafat spitzte sich die Lage weiter zu. Arafat ist seit Samstag praktisch ein Gefangener Israels. Unterdessen wächst der Druck auf Israel, seine Offensive zu beenden, die nach dem verheerenden Anschlag vom Mittwochabend in Netanja mit 22 Todesopfern eröffnet worden war.
Der ägyptische Außenminister Ahmed Maher forderte die Europäische Union am Sonntag in einem Telefongespräch mit Bundesaußenminister Joschka Fischer auf, sich angesichts der sehr ernsten Situation im Nahen Osten stärker einzusetzen. Fischer betonte in einer in Berlin verbreiteten Erklärung: "Die militärische Konfrontation zwischen Israel und den Palästinensern gibt zu größter Besorgnis Anlass." Die israelische Regierung solle die Unversehrtheit Arafats garantieren.
Israelische Soldaten lieferten sich am Sonntag in unmittelbarer Nähe Arafats ein Feuergefecht mit dessen Leibwächtern, von denen zwei verletzt wurden. Vertraute Arafats warnten, sein Leben sei in größter Gefahr. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon beriet unterdessen mit seinem Kernkabinett und der Militärspitze über das weitere Vorgehen. Nach Angaben aus Militärkreisen will Israel seine Offensive ungeachtet der internationalen Kritik in den kommenden Tagen ausweiten.
Gaststätte fast vollständig zerstört
Die radikal-islamische Hamas-Bewegung bekannte sich zu dem neuen Selbstmordanschlag in Haifa. Der Attentäter, der den Sprengsatz in einem Gürtel um den Leib trug, zündete die Bombe in einem Restaurant an einer Tankstelle. Die Gaststätte wurde vollkommen zerstört. Erst am Samstagabend waren bei einem Selbstmordanschlag in einem Tel Aviver Café 30 Israelis zum Teil lebensgefährlich verletzt worden.
Kurz vor Bekanntwerden des neuen Anschlags hatte Israel die palästinensische Autonomiebehörde aufgefordert, unverzüglich alle öffentlichen Gebäude im Gazastreifen zu räumen. Nach Angaben des Sicherheitschefs in Gaza, Abdel Rasek el Madschaida, rechnen die Palästinenser mit einem Großangriff auf den Gazastreifen.
Bei den israelischen Militäraktionen in Ramallah im Westjordanland wurden am Sonntag mindestens elf Palästinenser getötet. Israelische Soldaten durchsuchten in Ramallah Haus für Haus nach mutmaßlichen Extremisten. Zwei Palästinenser kamen bei einem Schusswechsel nahe Tulkarem im nördlichen Westjordanland ums Leben.
Der israelische Außenminister Schimon Peres betonte in einem Gespräch mit dem israelischen Rundfunk, Israel trachte Arafat nicht nach dem Leben. Der ehemalige Chefunterhändler der Palästinenser, Sajeb Erekat, meinte jedoch, Arafats Leben sei in größter Gefahr.
Die israelische Zeitung "Haaretz" zitierte am Sonntag israelische Offiziere mit der Einschätzung, es sei nicht auszuschließen, dass Arafat bei den Schießereien "aus Versehen" getroffen werden könnte. Den Soldaten sei jedoch strikte Order erteilt worden, Arafat nichts zu Leide zu tun.
In mehreren ägyptischen Städten gingen auch am Sonntag tausende Menschen auf die Straße, um gegen die israelischen Angriffe zu demonstrieren. Im oberägyptischen Minia zogen bei einem mehr als vierstündigen Protestmarsch mehr als 5000 Studenten durch die Stadt. Auch an der Kairoer Al-Azhar-Universität versammelten sich mehrere tausend Demonstranten, die Parolen gegen Israel und die US- Nahost- Politik riefen.
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