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Strahlung angeblich geringer als bei einem Flug: Scharping bietet Versuch mit Uran-Munition an

zuletzt aktualisiert: 22.01.2001 - 20:00

Berlin (rpo). Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) bietet den Abgeordneten im Verteidigungsausschuss des Bundestages an, zur Sitzung an diesem Mittwoch Uran-Munition mitzubringen. Dann könnten die Parlamentarier den gleichen Versuch machen wie Scharping am Sonntag im Kosovo, verlautete am Montag aus dem Ministerium in Berlin. Ferner könnte, wenn das Gremium zustimme, auch der Direktor des Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit (GSF/München), Herwig Paretzke, zu der Sitzung kommen und Fragen beantworten.

In Prizren hatte Paretzke mit einem Messgerät gezeigt, dass die Strahlung, die von einem Geschoss mit abgereicherter Uran-Munition ausgeht, niedriger ist, als während eines Fluges. Er hatte zudem ein Buch vor die etwa zehn Zentimeter große Munition gestellt und demonstriert, dass für Menschen dann gar keine Strahlung mehr erfasst wird. Scharping will bis Dienstagabend mit Wissenschaftlern und Arbeits- sowie Strahlenmedizinern klären, ob mehr Überprüfungen nötig seien, als seit dem Kosovo-Einsatz im Sommer 1999 veranlasst wurden.

"Die Strahlung auf einem Transatlantikflug ist mehr als 20 Mal höher als, wenn man so ein Geschoss ein halbes Jahr mit sich herumträgt", sagte Scharping. Auch Mineralwasser enthalte - nach gesetzlichen Vorschriften - mehr Uran, als wenn man ein paar Stunden mit einem Uran-Geschoss verbringe. Die Opposition wirft ihm vor, er verhalte sich widersprüchlich, weil er die Soldaten einerseits schon im Juni 1999 vor möglichen Gefahren der Uran-Munition durch Strahlung und Gifte gewarnt habe und die Risiken nun als "vernachlässigbar" bezeichne.

Scharping sagte dazu der dpa: "Ich kann das für so ungefährlich halten, wie ich will, aber es ist besser, man sichert die Soldaten auch gegen kleinere Risiken möglichst ab." Zur Kritik, er habe den Zwischenbericht des GSF zu Uran-Untersuchungen bei Kosovo-Soldaten von Juli 2000 nicht veröffentlicht, sagte Scharping: "Staatssekretär Walter Kolbow hat darüber im Verteidigungsausschuss vorgetragen, aber damals war das wohl weder aktuell noch hat das Thema jemanden aufgeregt."

PDS-Chefin fordert Rücktritt von Scharping

Die PDS-Vorsitzende Gabi Zimmer hat den Rücktritt von Verteidigungsminister Rudolf Scharping gefordert. «Das Maß ist voll», sagte Zimmer heute am Rande des Neujahrsempfang der Partei in Berlin. Scharping sei wegen seines Verhaltens in der Debatte über mögliche Gefahren durch Uran-Munition nicht mehr tragbar, meinte Zimmer, die als erste Bundespolitikerin Scharpings Rücktritt verlangte. Die PDS-Fraktion setzt sich weiterhin für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu diesem Thema ein.

Quelle: RPO Archiv

 
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