Auch Bundeswehr schoss eventuell mit Uran-Munition: Scharping erneut vor Ausschuss
zuletzt aktualisiert: 24.01.2001 - 14:46Berlin (dpa). Auch die Bundeswehr hat nach Angaben von Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) in Deutschland möglicherweise in den neunziger Jahren abgereicherte Uran-Munition verschossen. Dies sei wahrscheinlich im Zuge der Übernahme von Beständen der Nationalen Volksarmee der DDR und der Westgruppe der Roten Armee geschehen, sagte Scharping am Mittwoch nach einer Sitzung des Verteidigungsausschusses des Bundestages in Berlin.
Die Munition sei in Lenkflugkörpern in der MIG 29 enthalten gewesen. Davon seien 1 500 übernommen worden. 1 000 seien im Wege der Kampfmittelbeseitigung entsorgt und 500 durch Entfernung des Uran-Kerns umgerüstet worden. Es gebe Hinweise, dass acht bis zehn Geschosse abgefeuert worden seien. Dem werde nachgegangen. Der Bundestag sei von der unionsgeführten Vorgängerregierung davon nicht informiert worden. "Das schafft kein Vertrauen. Ein Maulkorb ist ein schlechter Stil und ein Fehler", sagte CDU-Verteidigungsexperte Paul Breuer am Dienstag der dpa.
Abgeordnete aller Fraktionen nehem den Verteidigungsminister seit Mittwoch Vormittag ins Kreuzverhör. Sie wollen auch nach Beschwerdebriefen von Soldaten aus dem Kosovo befragen, wonach es Klagen über mangelnde Aufklärung und Ausbildung für den Umgang mitUran-Munition gebe.
Breuer sagte, er werfe Scharping nicht vor, leichtfertig mit den Soldaten im Kosovo umgegangen zu sein. Sein Fehler sei gewesen, dass er zu Beginn der Debatte geschwiegen und dann bagatellisiert habe. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe ihn mit der Forderung nach Aufklärung "übersteuert". Danach habe Scharping den "Blödsinn erster Güte" mit der Einbestellung des amtierenden amerikanischen Botschafters gemacht.
Der FDP-Politiker Jörg van Essen, der Mitglied des Verteidigungsausschusses ist, meinte, Scharping habe Soldaten und Angehörige verunsichert. Mehrere Mitglieder des Bundeskabinetts seien im Augenblick in schwerem Wasser. "Der Verteidigungsminister gehört dazu", sagte van Essen im DeutschlandRadio Berlin.
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