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Eklat bei Innenministerkonferenz: Schill will Moskauer Gas einsetzen

zuletzt aktualisiert: 06.12.2002 - 19:09

Bremen (rpo). Der Hamburger Innensenator Ronald Schill sorgt erneut für einen Eklat. Er will das beim Moskauer Geiseldrama verwendete Gas in Deutschland einsetzen, durch das 129 Menschen zu Tode gekommen waren. Das forderte er bei der Innenministerkonferenz in Bremen.

Das Gas müsse sofort in Moskau bestellt werden. Schill sei von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) zur Ordnung gerufen worden. 129 Moskauer Geiseln waren an den Folgen des Gaseinsatzes gestorben.

Schill bestätigte seinen Vorstoß in mehreren Interviews. "Gute vorausschauende Politik zeichnet sich dadurch aus, das man vorbereitet ist", sagte Schill dem "Hamburger Abendblatt". Das Gas solle in Deutschland eingesetzt werden, wenn es zu groß angelegten Geiselnahmen wie in Russland komme. "Wichtig ist aber, dass wir vor einem möglichen Einsatz ein Gegenmittel entwickeln, damit in Deutschland Geiseln nicht an den Folgen des Gaseinsatzes sterben." Sollte der Bund sich in dieser Sache nicht engagieren, werde Hamburg sich im Alleingang um die Formel und um die Herstellung des Gases bemühen, kündigte Schill an.

Tschetschenische Terroristen hatten am 23. Oktober ein Moskauer Musicaltheater überfallen und mehr als 800 Menschen als Geiseln genommen. Bei dem Zugriff der Sicherheitskräfte am 26. Oktober wurden alle 41 Geiselnehmer erschossen, 129 Geiseln starben an dem eingesetzten Gas oder der mangelhaften medizinischen Nachsorge.

Dies war nicht der erste spektakuläre Auftritt des Gründers der Schill-Partei als Innensenator. Mit einer Wahlkampfrede am 29. August vor dem Bundestag, in der Schill auch nach Auffassung des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust (CDU) ausländerfeindliche Ressentiments schürte, hatte Schill eine Koalitionskrise in Hamburg ausgelöst. Bundestagsvizepräsidentin Anke Fuchs (SPD) hatte Schill das Mikrofon abgestellt. Er hatte seine Rede zur Hochwasserkatastrophe dazu genutzt, den etablierten Politikern totales Versagen vorzuwerfen und die Finanzknappheit des Bundes mit den Ausgaben für Flüchtlinge in Zusammenhang gebracht.

Quelle: RPO Archiv

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