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Nach Bericht im "Le Monde" / Verdacht erhärtet: Schmiergeld von Elf an CDU?

zuletzt aktualisiert: 11.07.2000 - 22:11

Paris (dpa). Der Verdacht von Schmiergeldzahlungen an die CDU durch den französischen Mineralölkonzern Elf Aquitaine 1992 unter Mitwisserschaft höchster französischer Regierungsstellen wegen des Kaufs der Leuna-Raffinerie erhärtet sich.

Der frühere Elf-Gabun-Chef Andre Tarallo hat nach einem Bericht der französischen Zeitung "Le Monde" (Mittwochausgabe) vor Gericht ausgesagt, höchste französische Stellen, darunter der damalige französische Staatspräsident Francois Mitterrand und das Finanzministerium, hätten gewusst, dass 256 Millionen Franc (rund 77 Millionen Mark) im Zusammenhang mit dem Leuna-Kauf an Deutschland gezahlt worden sein.

"Ich habe damals, 1992, schon erfahren, dass das Geld an die CDU ging, an die Partei von Helmut Kohl", zitierte die Zeitung Tarallo. Die Summe sei über einen Vermittler zwischen dem Elysee-Palast und dem Elf-Unternehmen, Hubert Le Blanc-Bellevaux, an die CDU ausgezahlt worden, hieß es.

Kohl : "Größter publizistischer Skandal der Nachkriegsgeschichte"

Alt-Kanzler Helmut Kohl hat die Berichte über Schmiergeldzahlungen aus Frankreich an die CDU erneut zurückweisen lassen. Derartige Behauptungen seien frei erfunden und erlogen, sagte ein Sprecher Kohls. Die Behauptungen seien verleumderisch. Kohl habe zu keinem Zeitpunkt Kenntnis von derartigen Zahlungen gehabt. Kohl bezeichnete entsprechende Berichte als einen der größten publizistischen Skandale der Nachkriegsgeschichte.

"Le Monde" berichtete weiter, der damalige Elf-Aquitaine-Chef Loik Le Floch-Prigent habe laut Tarallo berichtet, er habe von Mitterrand die Genehmigung zur Zahlung dieser Gelder an Deutschland erhalten. Die gerichtliche Untersuchung über verschiedene Schmiergeldaffären bei dem früheren größten französischen Ölkonzern, der heute mit TotalFina fusioniert ist, hat bereits 1996 begonnen. Verwickelt sind auch zahlreiche französische Politiker, darunter der frühere Außenminister Roland Dumas.

Die französische Boulevard-Zeitung "Le Parisien" berichtete am Dienstag, der damals staatliche Elf-Konzern soll früher Milliardensummen aus seinem Afrika-Geschäft auf Geheimkonten in Liechtenstein geschafft haben. Als Zeuge dafür nannte die Zeitung ebenfalls dem früheren Elf-Gabun-Chef Andre Tarallo, der dies der Untersuchungsrichterin Eva Joly erklärt habe.

Nach den Angaben wurden beim Handel mit Erdöl aus Afrika pro Barrel je 40 Cents (etwa 80 Pfennig) abgezweigt und als Schmiergeld in Schwarze Kassen eingezahlt. Insgesamt habe es sich um eine Summe von 420 Millionen Franc (125 Millionen Mark) jährlich gehandelt, die über einen Zeitraum von 20 Jahren abgezweigt worden seien. Nach dem Bericht floss das Schmiergeld dann an führende Politiker Afrikas.

Dunkle Öl-Geschäfte des Konzerns in Afrika gehören zu den weit verzweigten Affären, in die der damalige Staatskonzern verstrickt gewesen sein soll. In der Vernehmung durch Joly und einen zweiten Untersuchungsrichter hat Tarallo nach dem Bericht seine Rolle als "verdeckter Financier" in der dreistündigen Vernehmung eingestanden.

Quelle: RPO Archiv

 
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