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Washington
Schüsse auf Schwarze lösen Proteste aus

Washington. Es ist eine der traurigsten Debatten der USA, und eine mit großer Sprengkraft. Befeuert wird sie nun von neuer, tödlicher Gewalt der Polizei gegen zwei Schwarze. Jedes Mal, wenn in Amerika ein Afroamerikaner von weißen Polizisten getötet wird, fragt nicht nur die schwarze Community: Warum passiert das immer wieder? Was muss sich ändern?

Philando Castile, 32, wurde erschossen in einem Auto in Falcon Heights, einem Nest in Minnesota. Mit bemerkenswerter Ruhe filmt seine Freundin Lavish Reynolds ihren stöhnenden Gefährten, sein weißes Shirt voller Blut, streamt das Video live auf Facebook. Vor dem Wagen ein kreischender Polizist, er zielt weiter auf Castile. Vier Kugeln habe er ihm verpasst, sagt Lavish. "Gott, mach, dass das nicht wahr ist. Dass er nicht auf diese Weise geht."

Valerie Castile, Mutter des Erschossenen, ist wütend und fassungslos. Es gehört fast zum Ritual nach solchen Ereignissen, dass Angehörige sofort vor die Medien gehen, ihrem Schmerz Luft machen. "Er war einfach schwarz und am falschen Platz", sagt Valerie Castile bei CNN. Ein guter Junge sei Philando gewesen, seit Jahren Supervisor in der Cafeteria der J. J. Hill Montessori Magnet School, immer angestellt, beliebt, kein Straßentyp.

In 30 Jahren habe es im St. Anthony Department keine tödlichen Schüsse gegeben, sagt die Polizei in einer Pressekonferenz. Philando hatte eine Waffe, legal, das habe er dem Beamten auch gesagt, bevor er nach seinen Papieren griff. War das der Auslöser?

Weniger als 48 Stunden zuvor, Baton Rouge, Louisiana. Zwei Polizisten zwingen Alton Sterling, 37, auf einem Parkplatz zu Boden, Schüsse fallen, er stirbt. Gestern tauchte ein zweites Video aus einem neuen Winkel auf, auch das schwer auszuhalten, es zeigt den Tod des großen Mannes aus nächster Nähe. Die Umstände bleiben unklar, ein Zeuge will Sterling mit einer Waffe herumfuchteln gesehen haben, aber das ist nicht bestätigt. "Ohne die Videos wüssten wir nichts", sagt Valerie Castile. In der Tat sind sehr viele der jüngsten Vorfälle mit Smartphones dokumentiert.

Die Bewegung "Black Lives Matter" will Gerechtigkeit und hat großen Zulauf. Castile war laut "Washington Post" der 506., der 2016 in den USA von der Polizei getötet wurde. Mit Wucht erreicht das Thema auch den Wahlkampf, sind Schwarz und Weiß in den USA von Gleichberechtigung doch weit entfernt. Weit überproportional ist der Anteil Farbiger in den Gefängnissen. Oft wurden Polizisten nicht belangt, wenn Schwarze starben. In Baton Rouge und Falcon Heights gibt es Demonstrationen. Die Wut unter Schwarzen im Land wächst, der Tod von Sterling und Castile kann ein Brandbeschleuniger sein.

(dpa)
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