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Zweiter Angeklagter freigesprochen: Schuldspruch im Lockerbie - Prozess

zuletzt aktualisiert: 31.01.2001 - 17:55

Camp Zeist (AP). Zwölf Jahre nach der Flugzeugkatastrophe von Lockerbie ist einer der beiden libyschen Angeklagten wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht im niederländischen Camp Zeist erklärte jedoch, der schuldig gesprochene Abdel Basset Ali el Megrahi solle nach 20 Jahren die Möglichkeit zur Begnadigung erhalten.

Abdel Basset Ali el Megrahi hat 14 Tage Zeit, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Seine Strafe sollte im Verlauf des Tages bekannt gegeben werden; es wurde mit einer lebenslangen Haftstrafe gerechnet.

Megrahi hat nun 14 Tage Zeit, Berufung gegen das Urteil vom Mittwoch einzulegen. Der zweite Angeklagte Lamen Chalia Fhimah wurde freigesprochen und kann damit sofort nach Libyen zurückkehren.

Beide Urteile seien einstimmig gefällt worden, erklärte der Vorsitzende Richter, Ranald Sutherland. Die Anklage hatte für beide Libyer eine Verurteilung wegen Mordes gefordert, die Verteidigung plädierte dagegen auf Freispruch. Der Prozess wurde nach schottischem Recht geführt. Anders als die Verteidigung hat die Anklage keine Einspruchsmöglichkeit. Bei dem Bombenanschlag auf den Jumbo der Fluggesellschaft PanAm über der schottischen Ortschaft Lockerbie kamen am 21. Dezember 1988 in der Luft sowie am Boden 270 Menschen ums Leben.

Die internationale Gemeinschaft begrüßte das Urteil. "Die Gerechtigkeit wurde auf den Weg gebracht, und die Entscheidung des Gerichts muss respektiert werden", sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan in New York. US-Präsident George W. Bush bezeichnete das Urteil als Sieg für die internationalen Bemühungen. Der britische Premierminister Tony Blair erklärte, der Schuldspruch bestätige die langjährige Vermutung, dass Libyen den Anschlag angestiftet habe. Der libysche UN-Botschafter Abused Omar Dorda sagte, es gebe keinen Beweis für eine Beteiligung Libyens.

Später hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses, die noch bestehenden UN-Sanktionen gegen Libyen würden trotz des Schuldspruchs vorerst in Kraft bleiben. Die Strafmaßnahmen würden erst aufgehoben, wenn die Regierung in Tripolis den Resolutionen des Sicherheitsrats nachgekommen sei. Darin fordern die Vereinten Nationen Libyen unter anderem auf, die Hinterbliebenen der Opfer zu entschädigen und die Verantwortung für den Terrorakt zu übernehmen.

Im Gerichtssaal anwesend waren zahlreiche Angehörige der Opfer aus den USA und Großbritannien. Ein Brite, dessen Tochter bei dem Bombenanschlag ums Leben gekommen war, brach kurz nach dem Schuldspruch zusammen und musste aus dem Gerichtssaal getragen werden. Er hatte jeden Verhandlungstag im Gerichtssaal verfolgt. Der Prozess gegen die beiden Libyer hatte vor fast neun Monaten begonnen.

In 85 Tagen 235 Zeugen gehört

Die Angeklagten hatten in der Hauptverhandlung wiederholt ihre Unschuld erklärt. Ihre Anwälte stellten die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen in Frage, eines früheren Mitarbeiters des amerikanischen Geheimdienstes CIA. Laut Anklage sollen Megrahi und Fhimah einen Koffer mit der Bombe auf dem Flughafen von Luka in Malta an Bord eines Flugzeugs gebracht haben.

Die Staatsanwaltschaft ließ die Angeklagepunkte der Verschwörung und der Verletzung der Regeln der Luftsicherheit fallen und konzentrierte sich auf die schwerste Anschuldigung - Mord. In der 85 Tage dauernden Anhörung hörte das Gericht 235 Zeugen.

Quelle: RPO Archiv

 
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