USA begrüßen Entscheidung: Schuldspruch im Lockerbieverfahren bestätigt
zuletzt aktualisiert: 14.03.2002 - 19:07Kamp Zeist/New York (rpo). Im Fall Lockerbie ist der libysche Attentäter Abdel Bassit Ali el Mekrahi zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Die USA begrüßen die Entscheidung des Berufungsverfahrens.
Danach hat der 49 Jahre alte ehemalige Geheimdienstagent dafür gesorgt, dass die Bombe über Umwege an Bord des PanAm-Flugzeuges gelangte. Die Maschine war am 21. Dezember 1988 über dem schottischen Lockerbie explodiert. Dabei starben 270 Menschen.
Der Vorsitzende Richter Lord Douglas Cullen wies alle von der Verteidigung vorgelegten Argumente für die Berufung als "unbegründet" zurück. Das Gericht habe in erster Instanz die vorliegenden Beweise und Zeugenaussagen angemessen interpretiert. "Das Gericht kam zu dem Schluss, dass die vorgelegten Beweise ein reales und überzeugendes Bild ergeben", heißt es in der 200 Seiten umfassenden Begründung der Richter. Die Verteidiger hatten dagegen zu Beginn der Berufungsverhandlung am 23. Januar von einem "Justizirrtum" gesprochen. Die Richter hätten die Indizien falsch interpretiert.
Nach Ansicht des Gerichts hat Mekrahi Kleider gekauft, in die die Bombe eingewickelt war, und den Koffer mit der Bombe in Malta aufgegeben. Der Koffer war dann über verschiedene Stationen wie Frankfurt und London in der PanAm-Maschine gelangte. Die Richter wiesen auch die Aussage eines neuen Zeugen als "irrelevant" zurück. Er hatte ausgesagt, dass am Vorabend der Katastrophe ein Einbruch auf dem Londoner Flughafen Heathrow stattgefunden habe.
Nach der Urteilsverkündung brach die Frau von Mekrahi in Tränen aus. Mekrahi, der stets seine Unschuld beteuert hat, nahm den Richterspruch mit unbewegter Miene auf. Die Angehörigen der Opfer reagierten erleichtert. "Endlich gibt es Gerechtigkeit", sagte der Amerikaner Peter Lowenstein, der seinen 20-jährigen Sohn Alexander verlor. "Aber das bringt meinen Sohn nicht zurück."
Mekrahi soll innerhalb der nächsten 24 Stunden nach Schottland gebracht werden, wo im Barlinnie-Gefängnis bereits eine Zelle für ihn bereit steht. Er kann nach 20 Jahren vorzeitig entlassen werden. Nach Angaben von schottischen Juristen hat er theoretisch noch die Möglichkeit, vor dem britischen Sondergericht "Privy Council" das Urteil anzufechten. Dazu müsste er sich auf die Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention berufen. Prozessbeobachter weisen aber daraufhin, dass er und seine Anwälte während des Prozesses nie über Verletzung der Konvention geklagt hätten.
Mit dem Spruch des Berufungsgerichts ist der Lockerbie-Prozess nach fast zwei Jahren abgeschlossen. Ein zweiter Angeklagter war im Januar 2001 freigesprochen worden. Seitdem war Mekrahi der einzige Gefangene in dem provorisch eingerichteten Gefängnis auf einem ehemaligen Übungsgelände des niederländischen Militärs. Auf Grund einer internationalen Vereinbarung war das Gelände von Kamp Zeist für die Dauer des Prozesses zu schottischem Hoheitsgebiet erklärt worden. Der Prozess kostete insgesamt rund 121 Millionen Euro. Es wurden mehr als 235 Zeugen gehört. Beweise und Aussagen füllten mehr als 10 000 Seiten.
Die Vereinten Nationen werden regelmäßig el Mekrahis Haftbedingungen überprüfen, wie UN-Generalsekretär Kofi Annan bestätigte. Das UN-Sekretariat werde mit der britischen Regierung einen Überprüfungsmechanismus vereinbaren, erklärte ein Sprecher Annans. Die regelmäßige Überprüfung der Haftbedingungen durch die UN war eine der libyschen Bedingungen für Mekrahis Auslieferung.
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