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Schwarz-Grün für Olympia 2028 an Rhein und Ruhr

Ein skurril anmutender Gedanke findet parteiübergreifend zurzeit großen Anklang. Bis zur Umsetzung wäre es aber ein weiter Weg. Von Kirsten Bialdiga

Als Joachim Erwin im Jahr 2000 die Olympischen Spiele in Sydney besucht, ist er tief beeindruckt. Noch in der Hotelbar verkündet der inzwischen verstorbene Düsseldorfer Oberbürgermeister, seine Stadt werde sich um die Spiele im Jahr 2012 bewerben: "Das wollen wir auch, und wir können es auch!" Schnell findet er Mitstreiter - der damalige NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement stärkt ihm den Rücken und Sportminister Michael Vesper (Grüne) sowieso.

Am Ende macht in der nationalen Ausscheidung Leipzig das Rennen. Eine rein politische Entscheidung, um Ostdeutschland zu stärken, meint mancher, der die Niederlage gegen Leipzig bis heute nicht verwunden hat.

16 Jahre später, kurz vor Eröffnung der Spiele in Rio de Janeiro, ist die Idee wieder in den Köpfen. Michael Mronz, Lebensgefährte des verstorbenen FDP-Politikers Guido Westerwelle, brachte in einem Interview mit dem "Express" eine Bewerbung der Rhein-Ruhr-Region für 2028 als erster ins Spiel und wurde dabei gleich recht konkret: Für eine "Rhein-Ruhr Olympic City 2028" spreche, dass die meisten Sportstätten schon vorhanden seien und Investitionen in die Infrastruktur des Landes notwendig seien.

Nun ist Mronz zwar Sportmanager. In dieser Funktion ist es ohnehin eine seiner Hauptaufgaben, Sport-Events zu vermarkten. Dennoch fand der Plan unter Landespolitikern sofort Befürworter - und täglich werden es mehr: "Die Idee ist eine großartige Vision", sagt CDU-Fraktionschef Armin Laschet. 70 Prozent der erforderlichen Sportstätten gebe es im Land schon, in Aachen und in Mönchengladbach, in Düsseldorf, in Köln und in vielen Städten des Ruhrgebiets. Impulse für Infrastruktur und Arbeitsplätze täten NRW gut, meint Laschet.

Ähnlich äußert sich der sportpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion Björn Kerbein: "Eine Olympia-Bewerbung wäre für das Sportland Nordrhein-Westfalen ein tolles Signal." Das Land habe bereits viele sportliche Großereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 oder Kanu-World-Cup-Veranstaltungen erfolgreich ausgerichtet.

Wie CDU und FDP können auch die Grünen im Landtag der Idee eine Menge abgewinnen: "Olympische Spiele in einer Region mit einer vorhandenen und gut ausgebauten Sportinfrastruktur bieten die Chance, auf einem gesunden Fundament Spiele zu organisieren und so den Rückhalt und die Begeisterung der Bevölkerung zu gewinnen", sagt die sportpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, Josefine Paul. Mögliche Olympiabewerbungen müssten allerdings transparent, ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltig sein.

Vorbehalte gibt es hingegen bei der NRW-SPD: "Das steht zurzeit nicht auf der Agenda", sagt ein Fraktionssprecher und erinnert an die Bewerbung Hamburgs, die vor Kurzem am Widerstand der Bevölkerung scheiterte. Als Oppositionsführerin hatte Hannelore Kraft (SPD) noch 2006 für eine Bewerbung plädiert. Beim SPD-geführten Sportministerium hieß es: Der Startschuss für eine Bewerbung müsse vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ausgehen. Dort heißt es, "derzeit" sei keine Bewerbung geplant. Doch grundsätzlich ist es weiterhin explizite Strategie des DOSB, Olympische Spiele nach Deutschland zu holen. Die Wege zum DOSB wären kurz: Vorsitzender dort ist jener Michael Vesper, der einst als Sportminister die Bewerbung Nordrhein-Westfalens unterstützte. Es gibt allerdings Experten, die der Bewerbung einer Region wie Rhein-Ruhr in Konkurrenz zu einzelnen Städten allerdings wenig Chancen einräumen.

In den Rathäusern von Düsseldorf und Köln will man sich zu dem Thema zurzeit nicht äußern. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker aber weilt in diesen Tagen bei den Olympischen Spielen. Wie seinerzeit Joachim Erwin.

Quelle: RP
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