Leiche neben Freudenfeuer der Protestanten: Schwer bewaffnete Einsatzkräfte blockieren Oranier-Marsch
zuletzt aktualisiert: 12.07.2000 - 16:58Belfast (AP). Zum Höhepunkt der jährlichen Oranier-Paraden haben schwer bewaffnete Soldaten und Polizisten in Belfast einen Marsch des protestantischen Ordens durch ein katholisches Viertel verhindert. In der Nacht zum Mittwoch war es bereits zu Straßenschlachten zwischen radikalen Protestanten und Einsatzkräften gekommen, bei denen allein in Portadown 21 Polizisten und fünf Soldaten verletzt wurden. Ebenfalls am Vorabend war bei Feiern radikaler Protestanten ein Mann getötet worden.
In Begleitung von vier Musikkapellen marschierten etwa 200 Mitglieder des Ordens von dessen Sitz Ballynafeigh zu der einen Kilometer entfernten Ormeau-Brücke. Dort versperrten ihnen schwer bewaffnete Polizisten und Soldaten den Zugang zu dem von Katholiken bewohnten Stadtteil Lower Ormeau. Die Oranier weigerten sich erwartungsgemäß, eine andere Strecke in die Innenstadt zu wählen. Dort hatten sich 10.000 Anhänger zu einem Marsch zu Ehren von Wilhelm von Oranien versammelt hatten, der am 12. Juli 1690 den katholischen König Jakob II. besiegt hatte.
Die Oranier verharrten zunächst vor der Brücke unter dem Bildnis des siegreichen Wilhelm. Wie im vergangenen Jahr zogen sie dann zu einem Park gegenüber des katholischen Viertels auf der anderen Seite des Flusses. Die Anhänger des Oranier-Ordens protestieren seit über einer Woche gegen das Verbot, ihre Traditionsmärsche durch katholische Wohngebiete zu führen.
In der Nacht zum Mittwoch kam es zu schweren Ausschreitungen, als radikale Protestanten in Nordirland Freudenfeuer entzündeten. In Larne, 35 Kilometer nördlich von Belfast, wurde bei einem solchen Feuer ein Mann zusammengeschlagen und in den Hinterkopf geschossen. Als Polizeibeamte zu der Leiche des Opfers gelangen wollten, wurden sie von der Menge angegriffen. Der Getötete wurde nach Angaben der Polizei Opfer einer Fehde zwischen zwei radikalen protestantischen Gruppen.
Die verbotene protestantische Untergrundorganisation Ulster Defence Association (UDA) veranstaltete in der Nacht so genannte Demonstrationen der Stärke. Maskierte Mitglieder der Gruppe feuerten mit automatischen Sturmgewehren und Pistolen in die Luft. Sympathisanten des Oranier-Ordens entfachten in der Nacht in der ganzen Provinz Feuer.
In Portadown lieferten sich maskierte Jugendliche drei Stunden lang Straßenschlachten mit der Polizei. Die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer und Gummigeschosse gegen die Gewalttäter ein, die die Beamten mit Steinen und Brandbomben angriffen. 21 Polizisten und fünf Soldaten wurden verletzt. 13 Personen wurden festgenommen.
Die Anführer des Oranier-Ordens erklärten zwar, sie wollten keine gewaltsamen Auseinandersetzungen; gemäßigte Mitglieder der Gruppe kritisierten aber, dass die auf Konfrontation ausgerichteten Paraden dies unmöglich machten. Seit Beginn der Proteste am 2. Juli nahm die Polizei nach eigenen Angaben 146 mutmaßliche Unruhestifter fest und beschlagnahmte fast 1.000 Brandbomben. Demonstranten setzten 88 Fahrzeuge in Brand, mehr als 60 Angehörige der Einsatzkräfte wurden verletzt.
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