Verbindung zu El Kaida gezogen: Schwerer Terroranschlag in Riad
zuletzt aktualisiert: 09.11.2003 - 16:59Riad/Kairo (rpo). Ein schwerer Autobomben-Anschlag hat eine Ausländer-Wohnsiedlung in der saudiarabischen Hauptstadt Riad erschüttert. Dabei sind in der Nacht zum Sonntag mindestens elf Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden.
Neben Saudi-Arabern seien Libanesen, Sudanesen und Ägypter getötet worden - unter ihnen auch Kinder. Kurz vor dem Anschlag hatte es eine dringende amerikanische Terrorwarnung gegeben. Es ist der zweite schwere Anschlag in Riad binnen eines halben Jahres: Am 12. Mai waren bei drei ähnlichen Attacken 35 Menschen getötet und rund 200 verletzt worden.
Die saudischen Behörden machten das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden für den jüngsten Anschlag verantwortlich. Das Innenministerium in Riad sprach von einem "Terrorakt".
Diplomaten in der Hauptstadt berichteten, unter den Toten seien eine ägyptische Familie mit zwei Söhnen, vier Libanesen und zwei Wachmänner. Nach Angaben des US-Fernsehsenders CNN wurden Angehörige von 19 verschiedenen Nationalitäten verletzt - darunter auch vier Amerikaner mit doppelter Staatsbürgerschaft. Ärzten sagten, die meisten der Verletzten seien Frauen und Kinder.
Nach Angaben von Augenzeugen griffen die Täter in der Nacht zum Sonntag gegen Mitternacht die Wachleute mit Maschinenpistolen und Handgranaten an und sprengten anschließend mitten in der Anlage ein Auto in die Luft. Der arabische Sender El Arabija berichtete, die Polizei habe die sterblichen Überreste mehrerer Attentäter gefunden. Ihre genaue Zahl war auch Stunden nach dem Anschlag unklar.
Das US-Außenministerium hatte wegen aktueller Terrordrohungen am Samstag die Botschaft in Riad und das Konsulat für voraussichtlich drei Tage geschlossen. Die Explosion in der Siedlung El Muhajja war auch im fünf Kilometer entfernten Diplomatenviertel zu hören. Das Quartier ist stark gesichert. In den Krankenhäusern von Riad wurde der Notstand ausgerufen.
Direkt nach dem Anschlag forderte die US-Botschaft in Riad alle in der Stadt lebenden Amerikaner auf, ihre Häuser nicht zu verlassen. Botschaftsangestellte und ihre Angehörigen sollten im Diplomatenviertel bleiben, hieß es auf der Internet-Seite der US- Vertretung. Der für diesen Sonntag vorgesehene Besuch von Vizeaußenminister Richard Armitage in Saudi-Arabien wurde jedoch nach Angaben von Diplomaten in Riad nicht abgesagt.
Am Tatort bot sich am Sonntag ein Bild der Verwüstung, nachdem der durch die Explosion ausgelöste Großbrand gelöscht war. In den 206 Häusern der Wohnanlage El Muhajja wohnen nach Angaben der Direktion vor allem Libanesen, Syrer, Palästinenser und Ägypter. Nach Angaben eines Bewohners sind vier Häuser von Familien aus Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien bewohnt. In dem Komplex leben auch viele gebürtige Araber mit europäischem und amerikanischem Pass.
Die Bundesregierung verurteilte den Anschlag aufs Schärfste. "Wir sind entsetzt über diesen verabscheuungswürdigen Terrorakt", erklärte Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) in Berlin. Der Anschlag zeige erneut, dass vom internationalen Terrorismus weiterhin eine massive Bedrohung ausgeht. Der Golfkooperationsrat sprach von einer "feigen Aktion gegen unschuldige Zivilisten".
Ein Angehöriger der saudischen Sicherheitskräfte sagte, die Täter seien auf die gleiche Weise vorgegangen wie bei den Anschlägen im Mai. Damals hatten Selbstmordattentäter in einer Nacht drei Ausländer-Wohnsiedlungen angegriffen und dabei 35 Menschen getötet. Seither sind im Königreich Saudi-Arabien rund 600 mutmaßliche Terroristen festgenommen worden.
Nach den Anschlägen vom Mai, die nach Angaben der saudischen Behörden auf das Konto von El Kaida gingen, hatten bereits zahlreiche westliche Ausländer das Land verlassen. Neben zwei vorwiegend von westlichen Ausländern bewohnten Siedlungen war auch im Mai eine hauptsächlich von Libanesen und anderen Arabern bewohnte Anlage angegriffen worden.
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