Novum beim spanischen Militär:: Schwuler Offizier "outet" sich
zuletzt aktualisiert: 03.09.2000 - 16:10Madrid (dpa). Erstmals in der Geschichte Spaniens hat sich ein ranghoher Offizier der Streitkräfte öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. Der 49-jährige Oberstleutnant Jose Maria Sanchez Silva sagte der Tageszeitung "El Pais" (Sonntagausgabe), er wolle mit diesem Schritt andere ermutigen, sich ebenfalls zu "outen": "Es gibt viele Schwule beim Militär." Aus Furcht vor Diskriminierung habe sich bislang aber keiner von ihnen getraut, seine Neigungen publik zu machen.
Das Verteidigungsministerium reagierte mit Kritik. Es sei eine "unglückliche" Entscheidung, die Uniform für eine solche Ankündigung zu nutzen, sagte ein Sprecher. Sanchez Silva hätte dies lieber als Privatmann tun sollen. Mit Sanktionen müsse er aber nicht rechnen: Seit einer Gesetzesreform von 1985 haben Homosexuelle offiziell beim Militär keine Diskriminierung zu befürchten. Der 49-Jährige schließt dennoch Repressalien nicht aus. "Es gibt verdeckte Formen der Strafe, etwa für vermeintliche Nachlässigkeiten bei der Arbeit."
Sanchez Silva ist Anwalt und arbeitet in der juristischen Abteilung des Hauptquartiers des Heeres in Madrid. Als Offizier ist er mehrfach dekoriert worden. "Ich glaube, meine Entscheidung ist ehrenhaft, ehrlich und mutig, so wie es die militärische Ethik verlangt", sagt er.
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