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Neuer Berliner Senat: Senatorenkür in Berlin

zuletzt aktualisiert: 15.01.2002 - 16:48

Berlin (rpo). Am Donnerstag wählt das Abgeordnetenhaus den neuen SPD/PDS-Senat. rpo stellt die designierten Senatorinnen und Senatoren vor.

KLAUS WOWEREIT (48) bleibt Regierender Bürgermeister. Der Jurist und Ex-SPD-Fraktionschef, der erst 1995 ins Abgeordnetenhaus einzog, machte eine Blitzkarriere in der vorher oft zerstrittenen Berliner SPD. Nach dem Bruch der großen Koalition aus SPD und CDU wurde er 2001 neuer Regierungschef in Berlin. Bundesweit bekannt wurde er mit seinem Bekenntnis "Ich bin schwul, und das ist auch gut so." Im Oktober gewann Wowereit die Neuwahl und machte die SPD nach 25 Jahren wieder zur stärksten Kraft. Während der Koalitionsgespräche wurde erste Kritik an ihm laut: Zunächst scheiterten die Verhandlungen mit FDP und Grünen. Dann hatte die SPD Probleme, Senatoren zu finden.

THILO SARRAZIN (56) wird nach langer Suche der SPD neuer Finanzsenator - nach mehreren Absagen anderer fiel die Wahl auf ihn. Seinen letzten Posten bei der Deutschen Bahn verließ der Sozialdemokrat im Oktober 2001 im Streit mit Konzernchef Hartmut Mehdorn. Geboren wurde Sarrazin im thüringischen Gera, die meiste Zeit seiner Karriere verbrachte er in der bundesdeutschen Ministerialbürokratie - zunächst im Bundesarbeitsministerium, dann als Leiter des Ministerbüros im Finanzressort. In den Wendejahren 1989/90 war er federführend an der Vorbereitung der deutsch-deutschen Währungsunion beteiligt. Sarrazin gilt als Querdenker.

PETER STRIEDER (49) bleibt weiter Stadtentwicklungssenator. Der SPD-Landesvorsitzende (seit 1999) leitete zusammen mit Wowereit den Sturz des früheren Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen (CDU) ein. Es folgten die gewonnene Neuwahl und der Koalitionsvertrag mit der PDS. Insgesamt lieferte der SPD-Chef dabei eine taktische Leistung ab, die auch seine Position als zweiter Mann im Senat festigte. Der aus Bayern stammende Jurist, der seit mehr als 20 Jahren in Berlin lebt, war früher Bürgermeister des Szenebezirks Kreuzberg. Seit 1996 bestimmt er als Senator für Stadtentwicklung wesentlich das Bild der Hauptstadt mit.

EHRHART KÖRTING (59) ist erneut als Innensenator vorgesehen. Der gebürtiger Berliner gehörte bereits von 1997 bis 1999 als Justizsenator der großen Koalition in Berlin an. Nachdem das Ressort nach der Wahl 1999 dem Regierenden Bürgermeister zugeordnet wurde, kehrte Körting in seinen Rechtsanwaltsberuf zurück. In den rot-grünen Übergangssenat wurde er im Juni 2001 als Innensenator berufen. Der als besonnen geltende Jurist erwarb sich schnell Vertrauen und Respekt durch seine umsichtige Reaktion nach den Terroranschlägen in den USA. Schnell organisierte er umfassende Sicherheitsmaßnahmen in der Hauptstadt, dem Sitz von Bundesregierung und Parlament.

KLAUS BÖGER (56) soll Schul- und Sportsenator bleiben. Der gebürtige Hesse kam 1968 nach Berlin. Anschließend wurde er wissenschaftlicher Assistent an der Freien Universität. Der Politologe wird zum rechten Flügel seiner Partei gezählt. Er zog 1989 ins Abgeordnetenhaus ein und wurde 1995 Fraktionschef. Bei der Urwahl des SPD-Spitzenkandidaten für die Berliner Wahlen 1999 unterlag er Walter Momper. Nach der Neuauflage der großen Koalition im Dezember des gleichen Jahres wurde Böger neuer Schulsenator. Nach anfänglicher Kritik am hohen Unterrichtsausfall erwarb sich Böger inzwischen einen Ruf als engagierter Verfechter der Bildungsinteressen in Berlin.

KARIN SCHUBERT (57) wird neue Justizsenatorin. Die gebürtige Erfurterin kann auf eine langjährige Erfahrung im Justizwesen zurückblicken. Nach der Referendarausbildung arbeitete sie als Richterin an verschiedenen Gerichten in Nordrhein-Westfalen, ehe sie 1988 das Amt der Justiziarin der Landesvertretung dieses Bundeslandes in Bonn übernahm. 1991 wechselte Schubert als Präsidentin des Landgerichtes Neubrandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern. Der von der PDS tolerierten SPD-Landesregierung in Sachsen-Anhalt gehört Schubert seit Juli 1994 an, jetzt scheidet sie dort aus. Die Juristin war auch als neue Direktorin des Bundesrates im Gespräch.

GREGOR GYSI (53 - geb. 16.01.1948) wird erster Wirtschaftsminister der PDS. Der promovierte Jurist machte sich in den 80er Jahren in der DDR einen Namen in Anwalts- und Dissidentenkreisen. Mandaten machten ihm später den Vorwurf, mit der Stasi zusammengearbeitet zu haben. Dies bestritt Gysi stets heftig. In den turbulenten DDR-Wendezeiten übernahm er den SED-Vorsitz, die sich unter seiner Führung in PDS umbenannte. Ende 1992 gab Gysi den Parteivorsitz auf. Von 1994 bis 2000 war er Fraktionschef der PDS im Bundestag, dort gibt er sein Mandat jetzt auf. Gysi wird auch Wowereits Stellvertreter als Bürgermeister.

THOMAS FLIERL (44) ist als Wissenschafts- und Kultursenator vorgesehen. Der Ex-Chef des Kulturamtes in Prenzlauer Berg/Berlin und mehrjährige kulturpolitische Sprecher der PDS-Fraktion im Abgeordnetenhaus gilt als Kenner der Berliner Kulturszene. In seiner Zeit als Baustadtrat von Mitte profilierte sich Flierl allerdings durch sein harsches Einschreiten bei mehreren Bauprojekten im Herzen Berlins als "Nein-Sager von Mitte". Der promovierte Philosoph und Kunsthistoriker begann seine Laufbahn im DDR-Kulturministerium. Seit 1976 SED-Mitglied, wechselte er 1990 in die Nachfolgepartei PDS. Nach einem Austritt gehört er der PDS seit 1998 wieder an.

HEIDI KNAKE-WERNER (58) wurde von der PDS für das Gesundheits- und Sozialressort nominiert. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der PDS-Bundestagsfraktion kommt aus Westdeutschland und war schon in mehreren Parteien aktiv. In den 70er und 80er Jahren engagierte sie sich für die SPD, unter anderem im Stadtrat von Oldenburg. Dann verließ sie die SPD und trat in die DKP ein. Seit 1990 arbeitet die promovierte Sozialwissenschaftlerin nun in der PDS. 1994 zog Knake- Werner für die PDS in den Bundestag ein, von Oktober 1998 bis Oktober 2000 war sie dort auch stellvertretende Vorsitzende der PDS-Fraktion. dpa ar/bh/cs/bh yybb gr

Quelle: RPO Archiv

 
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