Weiterer Schritt zum Weltkonzern: Siemens an der Wall Street notiert
zuletzt aktualisiert: 12.03.2001 - 16:35München (rpo). Seit Montag wird die Aktie von Siemens auch an der Wall-Street gehandelt. Damit ist Siemens auf seinem Weg zum Weltkonzern einen Schritt weiter. Vorstandschef Heinrich von Pierer sagte am Montag an der Wall Street: "Das US-Geschäft soll ein Juwel unserer weltweiten Aktivitäten werden."
Die Notierung am wichtigsten Finanzmarkt der Welt soll Siemens in den USA bekannter machen und zugleich Firmenkäufe vereinfachen.
Die deutschen Aktionäre können sich auf präzisere Informationen nach den Vorschriften der US-Börsenaufsicht freuen. Markus Herdina vom Deutschen Aktieninstitut sagte: "Nachteile sehe ich keine."
Andreas Schmidt, Geschäftsführer der Bayerischen Börse, erklärte: "Weltweit tätige Unternehmen gehen dorthin, wo ihre Investoren sind." Ein Unternehmen, das in den USA geschäftlich bereits ein starkes Standbein habe, könne mit einem Börsengang in New York zusätzliche Aktionäre gewinnen. Dabei spiele auch die Präsenz in den verschiedenen Zeitzonen eine Rolle.
Siemens ist das 13. deutsche Unternehmen an der New Yorker Börse, andere stehen in den Startlöchern. Pionier war 1993 Daimler-Benz. "Wir wollten unsere Aktionärsstruktur verbreitern und unseren Zugang zum US-Kapitalmarkt verbessern. Beides wurde erfüllt", erklärte Sprecher Thomas Fröhlich. Der Anteil der US-Aktionäre sei von 1993 bis vor der Fusion mit Chrysler von vier auf über zehn Prozent gewachsen. Aber es gibt Grenzen. Seit der Fusion sei der Wert von 30 Prozent wieder auf unter 20 Prozent zurückgefallen.
Ein wichtiger Grund ist der Standard-Poors-500-Index. Viele US-Fonds beschränken sich bei ihren Investitionen auf Unternehmen, die in diesem Index aufgeführt sind. Unternehmen mit dem Hauptsitz in Deutschland aber können nicht aufgenommen werden.
US-Investoren halten heute 13 Prozent der Siemens-Aktien. Viele Aktionäre in Amerika vertrauten aber nur Firmen, die das Qualitätssiegel der US-Börsenaufsicht hätten, sagte Sprecher Peter Gottal. "Mit Sicherheit werden jetzt mehr US-Anleger Siemens kaufen." Die Verwendung des New Yorker Börsenkürzels von Siemens in den Medien sei für viele das Signal: Siemens spielt in den USA eine Rolle. Zudem werde es für amerikanische Kleinaktionäre jetzt einfacher, die Dividende zu kassieren.
Für Pierer ist Siemens in Amerika ein "amerikanisches Unternehmen" geworden mit mehr US-Mitarbeitern als Firmen wie Intel oder Cisco. Mit 100 Fabriken, 90.000 Mitarbeitern und fast 50 Milliarden Mark Umsatz sind die USA neuerdings auch der wichtigste Einzelmarkt für Siemens vor Deutschland. "Es ist ein Muss, an der größten Börse der Welt zu sein, da, wo auch die Wettbewerber sind." Allerdings machten die US-Töchter im letzten Jahr rund 200 Millionen Mark Verlust. Zu- und Verkäufe sowie eine Neuorganisation mit gemeinsamem Einkauf und zentraler Betreuung von Großkunden soll nun in die Gewinnzone zurückführen.
Seit 1998 hat Siemens rund 16 Milliarden Mark für Akquisitionen in den USA ausgegeben - darunter das fossile Kraftwerksgeschäft von Westinghouse sowie Internet- und Medizindienstleister. Einen großen Teil dieser Käufe bezahlte Siemens bar. Pierer sagte, von der Notierung in New York erwarte das Unternehmen eine zusätzliche Akquisitionswährung für Übernahmen und Investments, die oft mit Aktien bezahlt würden.
Schweigen über die Kosten
Über die Kosten des jahrelang vorbereiteten Börsengangs schweigt Siemens. Bei anderen Börsengängen kassierten die begleitenden Finanzinstitute sowie Wirtschaftsprüfer und Anwälte vier bis sieben Prozent des Emissionsvolumens, am Neuen Markt waren sogar bis zu zehn Prozent gezahlt worden. Siemens gibt aber für seinen Gang an die Wall Street keine neuen Aktien aus.
Mit einem Kurssprung ist nicht zu rechnen, denn der Kurs wird an dem Markt mit den größten Umsätzen gemacht. Das ist bei allen deutschen Unternehmen, die auch in New York notiert sind, mit großem Abstand weiterhin Frankfurt.
Alle Anleger werden aber künftig genauere Quartalsberichte lesen können: Die SEC fordert umfassende und ehrliche Auskünfte. Schwindeln kann einen Vorstand den Posten kosten, wie E.ON erfahren musste.
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