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Persönlich
Sigmar Gabriel ... bereut seinen Fingerzeig nicht

Sigmar Gabriel hätte es wissen können: Politiker sein und den Mittelfinger zeigen, das verträgt sich nicht. Doch knapp drei Jahre, nachdem Peer Steinbrück seine Kanzlerkandidatur per "Stinkefinger" auf dem Cover des "SZ Magazins" praktisch selbst beendete, hat es ihm Gabriel neulich nachgemacht - und bereut nichts. Markig sagt er jetzt: "Ich habe nur einen Fehler gemacht - ich habe nicht beide Hände benutzt." Von Tobias Jochheim

Das kann man für falsch halten. Bedenken möge man aber zwei entscheidende Unterschiede zwischen den Gesten Steinbrücks und Gabriels.

Einerseits ihre Entstehung: Steinbrücks "Stinkefinger" war ein kalkulierter Tabubruch, gedacht, um Aufmerksamkeit zu erregen. Gabriels Geste war ein emotionaler Ausbruch nach gezielten Provokationen.

Andererseits die Adressaten: Von Steinbrück konnte sich jeder beleidigt fühlen, dessen Auge am Kiosk auf die Zeitschrift fiel. Gabriel hingegen reagierte auf Neonazis, die ihn mit der NS-Vokabel "Volksverräter" beleidigten.

Treffsicher zielten sie beim Auftritt des Vizekanzlers auf dessen wundesten Punkt: Gabriels Vater war überzeugter Nationalsozialist, weit über das Kriegsende hinaus. Bis zu seinem Tod 2012 besaß er Bücher wie "Die Auschwitz-Lüge". Dass Sigmar Gabriel "sein Land zerstöre", wie die Rechtsextremen ihm entgegenschleuderten, mag per se noch eine legitime politische Äußerung sein - aber garantiert nicht im Gegensatz zum "Wirken" eines solchen Vaters, der laut den Pöblern "sein Land geliebt" habe. Entsprechend deplatziert ist die Wortmeldung von Ex-Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Der schrieb bei Twitter süffisant, er könne Gabriels Zorn verstehen. Ihm gehe es nämlich "bei dem ganzen linken Pack genauso". Wer damit gemeint ist, "nur" gewaltbereite Linksradikale? Oder alle links der CSU?, blieb offen . Auch über seine Haltung zu Neonazis verlor Friedrich kein Wort. Gabriels Verteidigung der eigenen Geste mag großmäulig sein, Friedrichs Tweet ist perfide.

Quelle: RP
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