kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Schlüsselfigur in der Leuna-Affäre: Sirven soll nun in Frankreich vernommen werden

zuletzt aktualisiert: 06.02.2001 - 20:41

Paris (dpa). In Frankreich sind die Hoffnungen auf neue Erkenntnisse in den Elf-Schmiergeld-Affären mit der Ankunft des jahrelang flüchtigen Ex-Managers und Finanz- jongleurs Alfred Sirven gestiegen. Der 74-Jährige traf am Dienstagabend nach dreitägiger Haft in Deutschland auf dem von Polizeieinheiten abgesicherten Militärflughafen Villacoublay (bei Paris) ein.

Für Sirven, der bisher als Frankreichs meistgesuchter Mann galt, ging damit eine gut dreijährige Flucht zu Ende. Er war am Samstag nach seiner Festnahme auf den Philippinen bei einer Zwischenlandung auf dem Weg nach Paris in Frankfurt gelandet. Die deutsche Justiz hatte ihn zunächst festgesetzt, dann aber seiner Auslieferung zugestimmt.

Sirven, dem zunächst die Haftbefehle verlesen wurden, sollte den für Wirtschafts- und Finanzdelikte zuständigen Pariser Richtern vorgeführt und ins Sante-Gefängnis gebracht werden. Vor seinem Abflug hatte es ein hektisches Tauziehen um dessen befristeten Verbleib in Deutschland gegeben.

Wegen erhoffter Aussagen zu Schmiergeld-Zahlungen im Zusammenhang mit dem Verkauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie an Elf im Jahr 1992 hatte sich der Bundestags-Untersuchungsausschuss zum CDU- Finanzskandal für eine Verschiebung der Auslieferung eingesetzt. Justizministerin Herta Däubler-Gmelin erklärte aber, die Bundesregierung sehe keine rechtliche Möglichkeit, Sirvens Aufenthalt in Deutschland zu verlängern.

Sirven hatte zuvor dem Untersuchungsausschuss die Aussage verweigert. Der unter Korruptionsverdacht stehende Franzose gilt als Schlüsselfigur bei den Schmiergeld-Skandalen des französischen Mineralölkonzerns Elf Aquitaine (heute: TotalFinaElf), zu denen auch die Begleitumstände beim Verkauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie 1992 zählen.

Sirven war von 1989 bis 1993 bei Elf die Nummer zwei hinter dem damaligen Konzernchef Loik Le Floch-Prigent. Seit 1996 war der mit Haftbefehlen aus Frankreich und der Schweiz gesuchte Manager dann spurlos verschwunden, bis er am Freitag bei Manila aufgespürt und festgenommen wurde.

Der Bundestags-Untersuchungsausschuss will Sirven nun in Frankreich vernehmen, sagte der Vorsitzende Volker Neumann (SPD). Die französische Regierung sicherte auf Bitten von Bundesjustizministerin Däubler-Gmelin am Abend zu, dem Parlamentsgremium in diesem Fall behilflich zu sein.

Sirven hatte bei seiner Vernehmung in Weiterstadt dem Ausschuss angeboten, auf Fragen zu Schmiergeldvorwürfen im Zusammenhang mit der Privatisierung der ostdeutschen Leuna-Werke Stellung zu nehmen, wenn er genügend Vorbereitungszeit bekomme. Ob er auch nach seiner Auslieferung an Frankreich aussagen wird, ließ er offen. Er werde zwar weiter guten Willen zeigen, könne sich aber nun dazu nicht verpflichten. In Frankreich erwarteten ihn "schwierige Fragen".

Sirven, der auch als Schlüsselfigur in den Schmiergeldaffären in Frankreich um den ehemaligen Außenminister Roland Dumas gilt, hatte seine Aussageverweigerung bei einer Anhörung des Untersuchungsausschusses mit mangelnder Vorbereitung begründet. Er war beim Elf-Konzern mit für die Leuna-Privatisierung zuständig. Allein dabei sollen Schmiergelder in Höhe von 256 Millionen Francs (etwa 77 Millionen Mark) geflossen sein. In deutschen und französischen Medien wurde vermutete, dass Teile davon der CDU zugute gekommen sind.

Neben den Ausschussmitgliedern reisten am Dienstag zu diesem einmaligen Vernehmungsverfahren eines Untersuchungsausschusses auch zwei Staatsanwälte und zwei Kripobeamte aus dem Saarland nach Weiterstadt. Sie wollten Sirven im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen Geldwäsche gegen den deutschen Geschäftsmann Dieter Holzer vernehmen. Dieser gilt ebenfalls als eine Schlüsselfigur bei der Leuna-Privatisierung.

Quelle: RPO Archiv

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
IAEA: Iran hat Spuren verwischt

Neue Vorwürfe im Atomstreit

IAEA: Iran hat Spuren verwischt

Der Iran hat nach Informationen der IAEA in einer verdächtigen militärischen Versuchsanlage Spuren verwischt. mehr 

Salafisten, Rocker und Fußball-Chaoten im Visier

Innenministerkonferenz

Salafisten, Rocker und Fußball-Chaoten im Visier

Die Innenminister und -senatoren sind in Göhren-Lebbin zu ihrer Frühjahrskonferenz zusammengekommen. mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Neue Vorwürfe im Atomstreit

IAEA: Iran hat Spuren verwischt

Bundespräsident sorgt für Wirbel

Gauck vermisst ein Zeichen Israels

Ägyptens Ex-Präsident

Mubarak spottet über Politiker

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Italien: Frau lebend aus Trümmern gezogen

Das Beben in Norditalien war am Dienstagabend schon 12 Stunden her, da gab es eines dieser kleinen Wunder, auf die die Menschen in den ... mehr 

Politik ist langweilig? Vergessen Sie's!

reichstag berlin kuppel DDP 2005-0801

Politik ist Drama, Komödie und gelegentlich großes Kino. Aus Berlin schauen unsere Korrespondenten auf das Geschehen.

Top-Services