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Berlin
Sofort nach der Amtsübergabe fliegt Maas nach Paris

Berlin. Gleich geht es los. Der Regierungsflieger am Flughafen Tegel wartet schon. Heiko Maas hat seinen ersten Auslandstermin: Antrittsbesuch beim französischen Amtskollegen noch am Abend. Morgen soll es dann in Richtung Osten gehen: nach Warschau. Sigmar Gabriel sitzt im Weltsaal des Auswärtigen Amtes neben Maas in der ersten Reihe. Gabriel ist da bereits "a.D.", außer Diensten. So schnell geht das. Doch bevor Maas nach Paris abhebt und Gabriel als ehemaliger Minister das Auswärtige Amt verlässt, was ihn erkennbar bewegt, muss Staatssekretär Walter Lindner noch einige Worte sagen: vor allem über Gabriel. Lindner räumt ein: "Ich bin befangen." Vor 14 Monaten habe ihn Gabriel angerufen, da sei er noch auf Posten in Südafrika gewesen. "Ich brauche dich morgen hier als Staatssekretär." Von Holger Möhle

Dann sei es losgegangen: die ersten Monate des US-Präsidenten Donald Trump, Syrien-Krieg, Iran-Atom-Deal, Türkei-Krise mit einem glücklichen Ende für wenigstens zwei inhaftierte Deutsche: Deniz Yücel und Peter Steudtner. Lindner hat nachrechnen lassen: Nachfolger Maas soll gleich wissen, was auf ihn zukommt. In 14 Monaten als Außenminister habe Gabriel im Flugzeug neunmal die Erde umrundet. Stationen und Besuche in 50 Ländern. Jeder Minister habe seine "ganz eigene DNA". Die von Gabriel sei die eines Urgesteins gewesen. Habe Joschka Fischer 2005 zum Abschied aus dem Außenamt gesagt, mit ihm gehe "einer der letzten Live-Rock'n'Roller der deutschen Politik", wie Lindner erinnert, so verlasse mit Gabriel nun ebenfalls nochmals einer aus der Sparte Rock'n'Roll das Auswärtige Amt.

Gabriel geht ans Mikrofon. Der Weltsaal im Auswärtigen Amt ist voll, viele müssen stehen. 240 deutsche Auslandsvertretungen in aller Welt sind live zugeschaltet, es sei denn, sie schlafen - wegen der Zeitverschiebung. Gabriel: "Ich jedenfalls hab' die 14 Monate sehr genossen." Damals, vor 14 Monaten, habe er gerade ein Buch geschrieben. Titel: "Neuvermessung". Mit "ein bisschen Demut" müsse er nun auch "die Begrenztheit der eigenen Möglichkeiten" erkennen - in einer zunehmend komplizierten Welt.

Maas übernimmt - "ein ganz besonderes Haus", wie der neue Außenminister sagt. Er spricht über seine Heimat, das Saarland: "Um die Ecke liegt Schengen." Europa eine Herzensangelegenheit. Jetzt macht er sich also auf in die Welt - zuerst Paris. Maas sagt noch: "Alles Gute, lieber Sigmar." Ein neues Kapitel beginnt. Für Maas und für Gabriel.

Quelle: RP
 
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