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Tel
Software sucht auf hoher See nach verdächtigen Schiffen

Tel. Aviv (dpa) Ein Schiff ist im Mittelmeer unterwegs, auf seiner gewöhnlichen Route. Doch plötzlich ändert es seinen üblichen Kurs und vollzieht verdächtige Manöver. Damit gerät es sofort ins Fadenkreuz der israelischen Firma Windward, die mit einem speziell entwickelten Programm rund um die Uhr Daten von rund 200.000 Schiffen weltweit überwacht. Von Sara Lemel

"Europa hat eine rund 120.000 Kilometer lange Küste, die nur sehr schwer zu kontrollieren ist", sagt Ami Daniel, der das Unternehmen vor mehr als fünf Jahren gemeinsam mit Matan Peled gegründet hat. Kennengelernt haben die beiden sich bei ihrem Militärdienst als Marinesoldaten. Im Meer konzentrierten sich die wirtschaftlichen Interessen, die Frage der Sicherheit sei jedoch bislang stiefmütterlich behandelt worden, sagt Daniel. "Es ist jedermanns Anliegen, aber niemandes Problem."

Sebastian Bruns, ein Experte für maritime Sicherheit von der Universität Kiel, sieht das ähnlich. Man könne sagen, "dass wir mehr über das Weltall wissen als über die See und die Tiefsee". In Deutschland herrsche in Sicherheitsfragen noch eine Art "Seeblindheit". Eine strukturierte Auswertung verfügbarer Daten wie bei Windward sei neu und lasse "riesige Erkenntnisse" über den Schiffsverkehr zu.

Im Mittelmeer seien viele Schiffe mit problematischer oder gefährlicher Fracht unterwegs, sagt Windward-Gründer Daniel. "Manchmal sind es Flüchtlinge, mal Schmuggelware, Bomben, Drogen oder geheime Technologie."

Im Dezember haben nach Informationen der Firma rund 9000 Schiffe in Europa angelegt. Mehr als 5500 seien mit "Schattenflaggen" unterwegs gewesen von Ländern wie Liberia oder Panama. "Man weiß in vielen Fällen gar nicht, wer wirklich hinter einer Firma steht." Windward könne mit dem Programm eine Art "genetischen Code" jedes Schiffs erstellen. "Wem gehört es, wo fährt es hin, welche Häfen besucht es?" Dies erlaube es den Kunden, "schlaue Fragen zu stellen".

Quelle: RP
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