Sprengstoffanschlag in Beirut: Sohn von radikalem Palästinenserführer getötet
zuletzt aktualisiert: 20.05.2002 - 14:33Beirut (rpo). Neuer Zündstoff im Nahost-Konflikt: der Sohn des radikalen Palästinenserführers Ahmed Dschibril ist am Montag bei einem Sprengstoffanschlag in West-Beirut getötet worden.
Der Mann kam ums Leben, als er den Zündschlüssel seines weißen Peugeot betätigte. Sicherheitskreise identifizierten den Toten als Dschihad Ahmed Dschibril. Der Wagen war allerdings auf den Namen Chalil Hatbeh zugelassen, was anfänglich für Verwirrung sorgte.
Der Vater des Toten, Ahmed Dschibril, leitet seit vielen Jahren die Volksfront für die Befreiung Palästinas-Generalkommando (PFLP-GC) - eine von zehn radikalen Palästinenser-Organisationen mit Sitz in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Er eilte auf die Nachricht hin sofort nach Beirut. PFLP-GC-Sprecher Abu Ruschdie machte "Israel oder seine Handlanger" für den Anschlag auf Dschihad Dschibril verantwortlich. Nach seinen Angaben war der 38-Jährige der Chef der PFLP-GC-Kämpfer in Libanon. Auch Dschibrils Stellvertreter Talal Nadschi beschuldigte in Damaskus Israel der Tat.
Dschibrils Wagen flog wenige Meter neben einer Polizeistation in die Luft. Nach Polizeiangaben waren zwei Kilogramm TNT unter dem Fahrersitz des weißen Peugeot angebracht, die Dschibril zerrissen. Auf ganz ähnliche Weise war am 24. Januar der frühere Milizenführer und Politiker Elie Hobeika im christlichen Ost-Beirut ums Leben gekommen.
Hobeika hatte 1982 die Christenmiliz angeführt, die das Massaker in den Beiruter palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila verübt hat. Auch damals hatten die Libanesen fast einhellig Israel für den Anschlag verantwortlich gemacht. Damals spekulierten Politiker in Beirut, der israelische Geheimdienst Mossad habe Hobeika getötet, weil dieser angekündigt hatte, Beweise für die Verantwortung des damaligen israelischen Verteidigungsministers und heutigen Ministerpräsidenten Ariel Scharon für das Massaker von Sabra und Schatila zu veröffentlichen.
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