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Vorgezogene Abstimmung trotz Kriegshandlungen: Soldaten in Tschetschenien wählen russischen Präsidenten

zuletzt aktualisiert: 17.03.2000 - 13:25

Moskau (dpa). Ungeachtet der Kriegshandlungen in Tschetschenien hat am Freitag in der abtrünnigen Kaukasus-Republik die vorgezogene Abstimmung für die Wahl des neuen russischen Präsidenten begonnen. Die Präsidentenwahl findet landesweit in neun Tagen am 26. März statt. Klarer Favorit ist der amtierende Präsident Wladimir Putin, dessen Popularität sich vor allem auf den nach Moskauer Darstellung erfolgreichen zweiten Feldzug in Tschetschenien gründet.

Als erste sollten die russischen Soldaten in den entlegenen Bergregionen Tschetscheniens ihre Stimme abgeben können, meldete die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den stellvertretenden Leiter der tschetschenischen Wahlkommission, Dschamal Meschidow. Dagegen werden nach Meschidows Angaben viele Tschetschenen nicht an der Wahl teilnehmen können, weil sie keine Pässe besäßen. In den zum Teil noch von Rebellen kontrollierten Bergregionen wird nicht gewählt. Die russischen Truppen schließen Anschläge der Rebellen vor den Wahlen nicht aus.

Viele Tschetschenen haben in den beiden Kriegen, auf der Flucht und durch Zerstörungen ihre Pässe verloren. Einen neuen Ausweis zu erhalten, sei vor allem für die Männer schwierig, weil sie zunächst auf Zugehörigkeit zu Rebellenverbänden geprüft würden, sagte Meschidow weiter. Die russischen Behörden hätten aber nicht genug Fragebögen ausgeteilt, mit denen die Angaben zur Person festgestellt werden sollen. Viele Tschetschenen könnten sich auch keine Passfotos leisten. Bewohner entlegener Dörfer könnten zudem nicht in die Städte fahren, um sich einen Pass ausstellen zu lassen, weil sie ohne Papiere nicht von russischen Posten durchgelassen würden.

Nach russischen Angaben leben in der vom Krieg weitgehend zerstörten Kaukasus-Republik noch etwa 350 000 Menschen. Etwa 93 000 russische Soldaten sollen dort stationiert sein. Mehr als 250 000 Menschen sind vor allem in die Nachbarrepublik Inguschetien geflüchtet. In den Flüchtlingslagern werden am 26. März die Wahllokale geöffnet. Mit den Wahlen auch in Tschetschenien will die russische Führung die Zugehörigkeit der Republik zur Russischen Föderation untermauern. Unklar ist bislang, ob internationale Wahlbeobachter nach Tschetschenien reisen werden.

Quelle: RPO Archiv

 
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