Nach Festanahme des mutmaßlichen Chefs: Spanien: ETA angeblich schwer angeschlagen
zuletzt aktualisiert: 23.02.2001 - 16:31Madrid (dpa). Die baskische Untergrundorganisation ETA ist nach der Festnahme ihres mutmaßlichen Militärchefs Xabier Garcia Gaztelu nach Einschätzung spanischer Ermittler schwer angeschlagen.
Als Gaztelu am Donnerstag in Südfrankreich gefasst wurde, fiel den Polizisten nach Presseberichten vom Freitag auch das Notizbuch des 35-Jährigen in die Hände. Von den darin aufgelisteten Namen, Adressen und Telefonnummern erhoffen sich die Fahnder wichtige Erkenntnisse im Kampf gegen die ETA. Mit der Festnahme liege derzeit deren gesamter militärischer Apparat offen, hieß es.
Garcia Gaztelu alias "Txapote" soll als Chef der Terrorkommandos sämtliche Anschläge der ETA seit der Aufkündigung ihrer "Waffenruhe" im Dezember 1999 angeordnet haben. 26 Menschen kamen dabei ums Leben. Mindestens neun Morde zwischen 1994 und 1998 habe der 35-Jährige persönlich ausgeführt. Unter seinen Opfern sei auch der im Juli 1997 entführte baskische Stadtrat Miguel Angel Blanco. Sein Tod löste eine der größten Protestwellen gegen die ETA in der Geschichte Spaniens aus.
Noch kurz vor seiner Festnahme soll Garcia Gaztelu auch den Autobomben-Anschlag in Auftrag gegeben haben, bei dem am Donnerstag in der nordspanischen Stadt San Sebastian zwei Menschen getötet und vier weitere verletzt wurden. "Txapote" war nur wenige Stunden später rund 30 Kilometer nördlich auf französischer Seite gefasst worden. Fahnder aus beiden Ländern waren ihm bereits seit Monaten auf den Fersen. Das Attentat in San Sebastian galt dem sozialistischen Stadtrat Inaki Dubreuil. Der 43-Jährige überlebte, liegt aber mit schweren Verbrennungen an Gesicht und Oberkörper im Krankenhaus.
Die spanische Polizei nahm unterdessen vier weitere mutmaßliche ETA-Mitglieder fest. Sie werden mit einem Überfall auf ein leer stehendes Jugendzentrum in der baskischen Kleinstadt Zumarraga in Verbindung gebracht. Drei Bewaffnete waren in der Nacht zum Freitag in das kürzlich fertig gestellte Gebäude eingedrungen und hatten mehrere Bomben gelegt, die erhebliche Sachschäden verursachten. Die Wachleute seien überwältigt und auf der Straße gefesselt zurückgelassen worden, teilten die Behörden mit.
Fünfzehn Festnahmen bei Razzien gegen ETA
Bei Razzien gegen die baskische Untergrund- Organisation ETA sind am Freitag in Nordspanien mindestens 15 Menschen festgenommen worden. Unter ihnen sind nach Angaben des baskischen Innenministeriums auch einige mutmaßliche Mitglieder des gefährlichen Terrorkommandos "Guipuzcoa" der Organisation.
Der Polizeieinsatz war einen Tag nach der Explosion einer Autobombe der ETA in der baskischen Hafenstadt San Sebastian angeordnet worden. Dabei waren zwei Menschen getötet und vier weitere zum Teil schwer verletzt worden. Ob die Razzien im Zusammenhang mit der Festnahme des mutmaßlichen ETA-Militärchefs Xabier Garcia Gaztelu standen, war zunächst unklar. Der 35-Jährige war wenige Stunden nach dem Attentat in San Sebastian in Südfrankreich gefasst worden.
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