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München
Spannung im NSU-Prozess: Zschäpes Aussage erwartet

München. Nach mehrwöchigen Verzögerungen will die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe heute ihr mehr als zweieinhalbjähriges Schweigen brechen. Ihr Anwalt Mathias Grasel will ihre Aussage verlesen. Fragen des Gerichts sollen aber erst später und nur schriftlich beantwortet werden, wie Grasel vor dem Oberlandesgericht mitteilte. Er bat das Gericht deshalb um einen schriftlichen Fragenkatalog.

Üblicherweise ist in Gerichtsprozessen das Prinzip der Mündlichkeit vorgeschrieben. Grundsätzlich sei eine schriftliche Beantwortung von Fragen jedoch zulässig, sagte eine Gerichtssprecherin, betonte aber: "Es muss dann natürlich mündlich in die Hauptverhandlung eingeführt werden." Der Senat werde aber noch über das Prozedere entscheiden. Auch gesundheitlich steht der geplanten Erklärung offenbar nichts im Wege: Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, wie es ihr gehe, antwortete Zschäpe mit einem Nicken. Am Vortag hatte es geheißen, dass es ihr psychisch nicht gut gehe. Medienberichte über einen angeblichen Nervenzusammenbruch bestätigte Grasel aber ausdrücklich nicht.

Die Erklärung Zschäpes war eigentlich schon vor vier Wochen geplant gewesen. Ein Befangenheitsantrag des Mitangeklagten Ralf Wohlleben machte den Zeitplan aber zunichte, mehrere Prozesstage fielen aus. Dann verzögerte sich die Aussage, weil Wahlverteidiger Hermann Borchert im Urlaub war. Weitere Prozesstage fielen aus, weil einer der Richter erkrankte.

Zschäpe muss sich im NSU-Prozess als Mittäterin an allen Taten des "Nationalsozialistischen Untergrunds" verantworten. Sie ist die einzige Überlebende des Trios, dem die Bundesanwaltschaft unter anderem neun Morde an Migranten und die Ermordung einer Polizistin vorwirft.

(dpa)
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