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Berlin
SPD kanzelt Juso-Chefin ab

Berlin. Fraktionschef Oppermann nennt Jungsozialistin Uekermann "unsolidarisch". Von Jan Drebes

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann hat die Angriffe von Juso-Chefin Johanna Uekermann auf den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel scharf zurückgewiesen. Unserer Redaktion sagte er, Uekermann sei "konsequent unsolidarisch und wirklichkeitsfern".

Die Vorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation hatte Gabriel scharf kritisiert und ihm für seine Politik in der großen Koalition und als Parteichef eine Vier minus gegeben. Was die Koalition in der Asylpolitik mache, sei erbärmlich. Die SPD lasse sich von der Union an die Wand spielen. Zudem drohte sie mit einer "neuen Qualität" an innerparteilichem Protest, sollte die SPD in der Asylpolitik einknicken und einer Obergrenze für Flüchtlinge zustimmen. Gleichzeitig lobte Uekermann Kanzlerin Merkel (CDU) für deren Rückgrat in der Flüchtlingspolitik.

Oppermann sagte, Uekermann habe sich "total verrannt". "Sigmar Gabriel kämpft gegen Merkel und Seehofer für eine Gesundheitsversorgung von Schwangeren und gegen Transitzonen. Dafür verdient er nicht Kritik, sondern das Lob der gesamten Partei", betonte Oppermann. SPD-Vize Ralf Stegner schrieb bei Twitter, Merkel habe die Forderung von CSU-Chef Seehofer nach Transitzonen ebenso unterstützt wie das CSU-Votum gegen Familiennachzug der Syrer. Gabriel und die SPD hätten das verhindert. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil nannte Uekermanns Worte unklug, und Johannes Kahrs, Chef des konservativen "Seeheimer Kreises" in der SPD, verurteilte die Attacken gegen Gabriel als schäbig.

Die Jusos verstehen es als ihre Aufgabe, die Arbeit der Parteispitze kritisch zu begleiten. Ein Schlagabtausch wie dieser ist aber ungewöhnlich. Nun dürften die Angriffe auch beim SPD-Bundesparteitag in zwei Wochen für eine Verschärfung innerparteilicher Debatten sorgen.

Gestern Abend wurde Uekermann in Bremen als Bundeschefin der Jusos ohne Gegenkandidaten mit 214 von 296 gültigen Stimmen (72,3 Prozent) wiedergewählt. Bei ihrer ersten Wahl 2013 war sie knapp unter 70 Prozent geblieben.

Quelle: RP
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