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Berlin
SPD und Linke kritisieren Bundeswehr-General

Berlin. Hans-Lothar Domröse (63) neigt zu klaren Worten, wohlwissend, dass er nicht überall Beifall erhält. Prompt ist Deutschlands wichtigster Soldat bei der Nato jetzt auf massive Kritik bei SPD und Linkspartei gestoßen: weil er aus militärischer Sicht den Einsatz von Awacs-Radarjets über Syrien befürwortete, das westliche Bündnis vor Russlands Machtdemonstrationen in Syrien warnte und weil er der Allianz riet, ihr Abschreckungspotenzial zu erhöhen.

SPD-Außenexperte Rolf Mützenich wetterte: Er verstoße mit seinen "ungebetenen Ratschlägen" gegen den Primat der Politik und müsse gemaßregelt werden. Der Bundeswehrverband ging ungewohnt heftig zum Gegenangriff über: Mützenich müsse sich entschuldigen, seine Attacke sei "ehrenrührig, im Ton inakzeptabel und in der Sache vollständig verfehlt". Die Linkspartei wiederum warf Domröse vor, ein Awacs-Einsatz schüre nur den Syrien-Konflikt.

Domröse, der das Allied Joint Force Command im niederländischen Brunssum führt, hat diesen Streit einkalkuliert. Damit kann er wieder Aufmerksamkeit auf Russlands Militäraktivitäten lenken, ein Thema von vielen, das von der Flüchtlingsdebatte zurzeit verdrängt wird. Die nötige internationale Erfahrung auch auf diplomatischem Parkett besitzt der Familienvater jedenfalls: Er hat das Euro-Korps in Straßburg geführt und war oft im Ausland eingesetzt.

Militärisch betrachtet wäre ein Einsatz von Awacs über Syrien durchaus sinnvoll, könnten sie doch als "fliegende Fluglotsen" verhindern, dass sich die vielen Kampfjets in der Region irrtümlich zu nahe kommen. Und dass Russland dem Westen mit dem Säbel imponieren will und dies besonnene Gegenmaßnahmen erfordert, dürfte wohl auch niemand ernsthaft bestreiten. Domröse geht nach 43 Dienstjahren in wenigen Monaten in den Ruhestand.

(mic)
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