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Genf
Sterbehelfer in der Schweiz erwarten mehr Deutsche

Genf. Nach dem Beschluss des Bundestags zum Verbot organisierter Sterbehilfe rechnet der größte Schweizer Sterbehilfe-Verein Exit mit mehr Deutschen, die ihr Leben in der Eidgenossenschaft beenden wollen. Exit-Geschäftsführer Bernhard Sutter betonte, dass er pro Jahr von einer Verdoppelung der Zahl von sterbewilligen Deutschen in der Eidgenossenschaft ausgehe. Nach Schätzungen reisen bislang pro Jahr rund 200 meist schwer kranke Bundesbürger in die Schweiz, um sich dort mit Hilfe von organisierten Freitodbegleitern das Leben zu nehmen.

Der Schweizer Sterbehilfe-Verein Dignitas assistierte seit seiner Gründung 1998 bis 2014 mehr als 1900 Menschen beim Gang aus dem Leben, darunter waren mehr als 900 Deutsche. Die Menschen aus der Bundesrepublik sind die mit Abstand stärkste nationale Gruppe, die bei Dignitas Unterstützung sucht. Ludwig A. Minelli, Gründer und Chef von Dignitas, will keine Aussage über einen möglichen Anstieg der sterbewilligen Deutschen bei Schweizer Organisationen machen. Es sei zu schwierig derartige Prognosen zu machen, betonte Minelli. Allerdings plant der Rechtsanwalt, den Beschluss des Bundestags zum Verbot organisierter Sterbehilfe notfalls beim Bundesverfassungsgericht anzufechten. Falls Bundespräsident Joachim Gauck dem Gesetz zustimme, werde Dignitas den Gang nach Karlsruhe antreten. Seit 2005 gibt es eine deutsche Sektion Dignitas in Deutschland mit Sitz in Hannover.

Nach mehr als einjähriger Debatte hatte der Bundestag am Freitag ein Gesetz beschlossen, das eine auf Wiederholung angelegte Hilfe bei der Selbsttötung unter Strafe stellt. Damit soll Sterbehilfe-Organisationen die Grundlage entzogen werden.

(epd)
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