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Athen
Stimmung bei Griechen zum Jahreswechsel auf Tiefpunkt

Athen. Das Jahr 2015 begann zumindest für die Anhänger des griechischen Linksbündnisses Syriza mit viel Euphorie: Vom Syriza-Wahlsieg Ende Januar und der Regierung des jungen Premierministers Alexis Tsipras versprachen sich viele Menschen einen Ausweg aus der Krise. Knapp ein Jahr später könnte die Stimmung im Land schlechter kaum sein. Das zeigen mehrere jetzt veröffentlichte Meinungsumfragen. Von Gerd Höhler

Knapp neun von zehn Befragten (86 Prozent) sehen ihr Land auf falschem Weg, ergab eine Untersuchung des Marktforschungsinstituts Qed. Noch im März waren nur 43 Prozent dieser Meinung. Und während im März 33 Prozent meinten, nach dem Ende der Krise würde Griechenland noch schlechter dastehen als jetzt, glauben das aktuell 58 Prozent.

Nicht nur die Ökonomen erwarten für das neue Jahr einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung. Die EU-Kommission prognostiziert ein Minus von 1,3 Prozent - damit wäre 2016 das neunte Rezessionsjahr in Folge. Auch die Menschen zeigen wenig Zuversicht: Fast acht von zehn Befragten erwarten, dass 2016 noch schlechter wird als 2015.

Die Dauerkrise untergräbt das Vertrauen in die politischen Parteien und Institutionen. 34 Prozent der Befragten fühlen sich von keiner Partei repräsentiert. Nur sechs Prozent äußern Vertrauen ins Parlament - gegenüber 27 Prozent im März. Der Prozentsatz jener, die auf das Funktionieren der Demokratie in Griechenland stolz sind, fiel im selben Zeitraum von 39 auf 24 Prozent. Auch das Ansehen Europas leidet in den Augen der Griechen unter der Krise: 80 Prozent finden, dass die Europäische Union ihrem Land feindlich gegenübersteht.

Dass Tsipras fast keines seiner Wahlversprechen hielt und im Sommer neue Sparauflagen der internationalen Geldgeber akzeptieren musste, drückt auf die Stimmung. Neun von zehn Griechen sind mit der Regierung unzufrieden. Sogar unter den Syriza-Wählern äußern 70 Prozent Kritik. Das schlägt sich auch bei der Sonntagsfrage nieder: Hier bleibt Syriza zwar stärkste Kraft, bekommt aber statt 35 Prozent, wie bei der Wahl im September, nur noch 20, dicht gefolgt von der konservativen Nea Dimokratia mit 19 Prozent. 31 Prozent der Wähler sind unentschieden. Nur eine Partei kann ihren Stimmanteil annähernd halten: Die neonazistische "Goldene Morgenröte" bleibt mit 6,5 Prozent drittstärkste Kraft.

Dazu scheint zu passen, dass immer mehr Griechen auf die Armee bauen: 65 Prozent sagen, dass sie den Streitkräften vertrauen. Vor zweieinhalb Jahren waren es 38 Prozent.

Quelle: RP
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