Friedensverhandlungen fortgesetzt: Straßenschlachten in Belfast
zuletzt aktualisiert: 13.07.2001 - 18:37Belfast (rpo). In der nordirischen Hauptstadt ist es zu den schwersten Ausschreitungen seit Jahren gekommen. Mindestens 113 Polizisten und Demonstranten sind verletzt worden. Die Suche nach einer Friedenslösung für die Provinz wurde am Freitag fortgesetzt.
Bei Protesten gegen eine Parade des protestantischen Oranier-Ordens im katholischen Stadtteil Ardoyne waren in der Nacht zum Freitag 113 Polizeibeamte verletzt worden. Überwiegend jugendliche Katholiken warfen 263 Brandsätze gegen die Polizei. Die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer ein und feuerten 40 Plastikgeschosse in die Menge.
Der britische Premierminister Tony Blair verurteilte die Gewalt gegen die Polizei als "völlig inakzeptabel". Die Gespräche mit den Konfliktparteien über eine Rettung des Friedensprozesses wurden am Nachmittag in einem Luxushotel bei Birmingham wieder aufgenommen. Dabei wurde die Dauer der Verhandlungen offen gelassen. Blair hatte die Gespräche als die "letzte Chance" zur Rettung des Friedensabkommens bezeichnet.
Der nordirische Polizeichef Ronnie Flanagan sprach am Freitag von "organisierter und geplanter Gewalt" gegen die Sicherheitskräfte. "Man hat nicht zufällig einen Brandsatz in der Hand oder reißt Laternenpfosten aus der Verankerung, um damit Straßen zu blockieren", sagte er. Zu Vorwürfen von katholischer Seite, die Sicherheitskräfte hätten "überreagiert", sagte er: "Meine Beamten sind nicht für die politischen Spannungen in diesem Teil der Welt verantwortlich."
Am schwersten verletzt wurde ein Polizist, der mit einer Spitzhacke zu Boden geschlagen wurde. Zwei andere erlitten Brandverletzungen durch Molotow-Cocktails. Insgesamt 19 Beamte mussten ins Krankenhaus. "Es waren mit Sicherheit die schlimmsten Angriffe auf die Polizei seit geraumer Zeit", sagte ein Sprecher.
Die Wut der katholischen Demonstranten hatte sich daran entzündet, dass Anhänger des Oranier-Ordens auf der Rückkehr von ihren traditionellen Siegesmärschen zum 12. Juli durch den Stadtteil marschierten. Etwa 200 pro-irische Katholiken versuchten, die Absperrungen zu durchbrechen, die die Marschroute der Oranier abschirmen sollten. "Dies ist ein katholisches Gebiet. Aber die Polizei ist nicht hier, um uns zu schützen, sondern allein dazu, die Parade zu erlauben", sagte das führende Sinn Fein-Mitglied Gerry Kelly. Sogar Kinder und katholische Ordner seien von der Polizei angegriffen worden.
Auch in einem anderen Viertel von Belfast, sowie in der Hafenstadt Londonderry und dem Küstenort Ballycastle (Grafschaft Antrim) kam es zu Gewalt. In Ballycastle schossen Oranier und Katholiken Feuerwerk und Brandbomben aufeinander ab. Als die Polizei die beiden Gruppen trennen wollte, richtete sich die Gewalt gegen sie. Mit ihren Paraden feiern die Oranier jedes Jahr am 12. Juli den Jahrestag der Schlacht von der Boyne, in der der protestantische britische König Wilhelm von Oranien 1690 seinen gestürzten katholischen Vorgänger Jakob II. endgültig geschlagen hatte.
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