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Düsseldorf
Streit um einheitliche Elternvertretung in NRW

Düsseldorf. SPD und Grüne nehmen einen neuen Anlauf, eine einheitliche Elternvertretung in NRW zu etablieren. "Wir werben jetzt für mehr Kooperation zwischen den Elternverbänden", sagte die schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Sigrid Beer: "Nordrhein-Westfalen ist mit Bayern das einzige Bundesland, das lediglich privatrechtliche, schulformbezogene Vereine als Elternvertretung hat und keine institutionalisierte Vertretung." Man wolle in den kommenden Wochen herausfinden, ob eine solche einheitliche Vertretung für die Verbände infrage komme. Zu einem Gespräch Mitte Januar hatten Beer und ihre SPD-Kollegin Renate Hendricks bereits rund ein Dutzend Elternvertreter zu Gast. Von Frank Vollmer

SPD und Grüne haben 2012 im Koalitionsvertrag angekündigt: "Wir werden die gesetzlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich eine Landeselternvertretung - analog zur LandesschülerInnenvertretung - bilden kann." Dieses Gremium würde etwa in Gesetzgebungsprozessen als Stimme aller Eltern auftreten. Derzeit werden verschiedene Verbände angehört - zum Beispiel für einzelne Schulformen.

Beer begründet den Vorstoß mit der "gemeinsamen Eltern-Perspektive". Das aber stößt auch auf Argwohn: "Das ist nichts anderes als ein Versuch, die eigenen politischen Interessen leichter durchzusetzen", kritisiert Herbert Heermann, Chef der Katholischen Elternschaft NRW. Er fürchtet eine "Verarmung des Meinungsspektrums, weil in der vorherigen Abstimmung der Elternverbände bestimmte Interessen unter den Tisch fallen würden". Dass derzeit auch "sehr spezifische Aspekte" zur Sprache kämen, sei für die Politik eine bessere Entscheidungshilfe "als eine stromlinienförmige einheitliche Stellungnahme".

Skeptisch ist auch die Landeselternschaft der Gymnasien. "Wir betrachten das Ganze mit Vorsicht", sagt der Vorsitzende Ulrich Czygan: "In allen Bundesländern mit durchgewählten Vertretungen ist die Elternposition geschwächt worden." Dort kandidierten vor allem Parteipolitiker für die Elternvertretung - "die haben kaum Kontakt zur Basis", fürchtet Czygan und spottet über eine "Eltern-Einheitspartei".

Unterstützung kommt dagegen von Eberhard Kwiatkowski. Er ist Vorsitzender der Landeselternkonferenz, eines schulformübergreifenden Vereins: "Wir brauchen eine starke Stimme der Elternschaft." Für vieles oberhalb der Schulebene gebe es derzeit keinen legitimierten Ansprechpartner auf Elternseite.

Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) sei "grundsätzlich gesprächsbereit", sagt eine Sprecherin. Die Ministerin lege aber Wert auf einen breiten Konsens. Das verspricht Löhrmanns Parteifreundin Beer: "Wir werden nicht gegen den Willen der Eltern handeln, sondern nur einvernehmlich. Es wird niemand in eine neue Vertretung gezwungen."

Quelle: RP
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