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Washington
Streit um Trumps Kabinettsbildung

Washington. Mitt Romney als US-Außenminister? Das geht selbst Trump-Mitarbeitern zu weit. Von Frank Herrmann

Es hat Seltenheitswert, dass eine Spitzenberaterin öffentlich Stimmung macht gegen einen Kandidaten, den ihr Chef für einen Schlüsselposten in seinem Kabinett in die engere Wahl zieht. Kellyanne Conway, das mediale Aushängeschild Donald Trumps, tut genau das. Mit verbalen Nadelstichen im US-Fernsehen warnt die Sprecherin davor, Mitt Romney zum Außenminister zu machen - einen klassischen Vertreter jenes republikanischen Establishments, das noch im Frühjahr verzweifelt versuchte, Trump den Weg zur Kandidatur seiner Partei zu versperren.

Nicht nur, dass der Ex-Gouverneur, der 2012 das Präsidentschaftsduell gegen Barack Obama verlor, den Bauunternehmer in der Hitze des Kandidatengefechts als "inhaltsleere Mogelpackung" charakterisiert hatte. Romneys außenpolitische Vorstellungen unterscheiden sich markant von denen des Populisten. Während zumindest Trumps Kampagnenrhetorik auf isolationistische Tendenzen schließen lässt, ist Romney einer Denkschule der Konservativen zuzurechnen, für die ein Rückzug Amerikas aus dem Weltgeschehen nicht infrage kommt. Auch Trumps offensichtliche Bewunderung für Wladimir Putin teilt Romney kaum: Er charakterisierte Putins Russland im Wahlkampf vor vier Jahren als wichtigsten geopolitischen Gegner der USA.

So tief der Graben zwischen beiden scheint, so sehr scheint Trump die Fantasie zu beflügeln, dass er den Geschäftsmann aus Boston explizit als möglichen Chefdiplomaten ins Gespräch brachte. Denn so kleinlich, rachsüchtig und nachtragend seine Twitter-Zeilen oft wirken, ein solcher Schritt würde ihn plötzlich souverän aussehen lassen. Es wäre ein Überraschungscoup wie bei Obama, der nach der Wahl 2008 seine parteiinterne Kontrahentin Hillary Clinton an die Spitze des State Department berief.

Während Kellyanne Conway - und womöglich vielen Parteikollegen - diese Idee zu weit geht, bringt die US-Nachrichtenagentur Bloomberg einen weiteren Namen ins Spiel: Der Ex-General und frühere CIA-Chef David Petraeus sei ebenfalls als US-Außenminister im Gespräch. Trump wolle sich noch gestern mit ihm treffen.

Quelle: RP
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