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Berlin/Kaarst
Stromautobahn in NRW geht unter die Erde

Berlin/Kaarst. Nach Bürgerprotesten setzt der Bund jetzt bei fünf Strom-Autobahnen auf Erdkabel. Eine davon ist Emden-Meerbusch. Dadurch verzögert sich der Netzausbau um drei Jahre, Stromkunden müssen Milliarden zusätzlich zahlen. Von Antje Höning

Der Ausbau der für die Energiewende lebenswichtigen Strom-Autobahnen, die Windstrom von Nord- nach Süddeutschland bringen sollen, verzögert sich. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Bundesnetzagentur hervor. Danach sollen fünf der 17 länderübergreifenden Trassen Erdkabel statt Freileitungen erhalten, eine davon ist die wichtige Trasse "Korridor A Nord", die Strom von Emden nach Meerbusch-Osterath bringt.

Ursprünglich sollte die Leitung über überirdische Masten laufen und 2022 fertig sein. Durch die aufwendige Verlegung unter die Erde werde die Stromautobahn nun frühestens 2025 fertig, so die Netzagentur. Auch die Hauptschlagader der Energiewende, die von Nord- nach Süddeutschland führende, 800 Kilometer lange "SuedLink", soll Erdkabel bekommen und erst 2025 fertig sein. Die Vorfahrt für Erdkabel war Ende 2015 von Bundesrat und Bundestag nach massivem Druck der CSU verabschiedet worden. Die Bundesregierung hofft, damit den Widerstand in der Bevölkerung gegen den Netzausbau zu mindern.

Doch Erdkabel sind technisch aufwendiger, teurer und zeitaufwendiger als Freileitungen, so dass sich der Netzausbau weiter verzögern wird. Dabei werden die Strom-Autobahnen nötig, um 2022, wenn das letzte deutsche Atomkraftwerk abgeschaltet wird, viel Windstrom aus Norddeutschland in die Industriezentren im Süden zu transportieren. Schon jetzt gibt es erhebliche Probleme, weil das Netz für die Windstrommenge nicht ausreicht. Die Kosten für Eingriffe der Netzbetreiber, um Blackouts zu verhindern, sind bereits auf jährlich eine Milliarde Euro gestiegen. Bezahlen müssen das die Stromkunden.

Sie müssen ebenso die Milliarden-Mehrkosten der Erdkabel tragen. "Wegen der aufwendigen Erdarbeiten sind Erdkabel grundsätzlich deutlich teurer als eine Freileitung", sagte ein Sprecher des Netzbetreibers Amprion. Bei Gleichstromleitungen, zu denen die Trasse Emden-Osterath zählt, lägen die Kosten bei einer Erdverkabelung drei bis fünf Mal so hoch wie bei einer Freileitung. NRW-Energieminister Garrelt Duin (SPD) wollte sich nicht zum Thema äußern.

Am Bau des in der Region umstrittenen Konverters ändert die nun geplante Erdverkabelung nichts. Der Konverter, der Gleichstrom aus der Hochspannungs-Leitung in Wechselstrom für Verbraucher umwandeln soll, wird wie geplant gebaut. "Auf die Planung des Konverters hat die neue Lage keine Auswirkungen. Den Bau wollen wir 2018 beginnen", so der Amprion-Sprecher. "Wir halten hier nach wie vor den Standort auf der Dreiecksfläche in Kaarst für den am besten geeigneten und haben die Fläche bereits erworben."

Quelle: RP
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