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London
Studie: Hälfte der Briten ist nicht mehr religiös

London. "Weniger religiös, weniger christlich und vielfältiger als je zuvor" - so charakterisiert die "Kommission für Religion und Glaube im öffentlichen Leben" in ihrem Abschlussbericht die britische Gesellschaft. Über zwei Jahre hatte das Gremium unter Leitung der früheren Lordrichterin Baroness Elizabeth Butler-Sloss der britischen Bevölkerung die Gretchenfrage gestellt. Gestern präsentierte die Kommission auf 144 Seiten ihre Ergebnisse und Empfehlungen.

Der Untersuchungsbericht "Living with difference" ("Mit Unterschieden leben") kommt zu dem Schluss, dass der Anteil anglikanischer Christen an der britischen Bevölkerung in den drei Jahrzehnten seit 1983 von 40 Prozent auf weniger als 20 Prozent gesunken ist. Aber auch andere Konfessionen sind betroffen: Nur noch zwei von fünf Briten bezeichnen sich der Studie zufolge als Christen. Die Zahl derer, die sich als nicht religiös verstehen, ist demnach rapide gestiegen - und umfasst mittlerweile fast die Hälfte der Bevölkerung. Christen seien in Großbritannien zur Minderheit in der Bevölkerung geworden, heißt es in dem Bericht. Der demografische Wandel führe zu mehr Glaubensvielfalt; der Anteil der Muslime, Hindus und Sikhs nehme rasch zu.

Politiker müssten mit der Entwicklung Schritt halten, fordert nun das Gremium um Butler-Sloss. Es sei dringend nötig, eine "Neuregelung für Religion und Glauben" in Großbritannien zu diskutieren. Ziel müsse es sein, die Werte einer pluralistischen Gesellschaft neu zu definieren. Kritisiert wird in dem Expertenbericht die tiefgehende Verankerung der anglikanischen Kirche in der Politik. In England existiert verfassungsrechtlich eine Staatskirche, deren weltliches Oberhaupt die englische Königin ist. Nicht-Anglikaner sind von der Thronfolge ausgeschlossen, und anglikanische Bischöfe sind Mitglieder im britischen Oberhaus und damit auch Gesetzgeber.

(kna)
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