"Kommt einer fairen Lösung am nächsten": Studie: Riester-Rente begünstigt Besserverdiener
zuletzt aktualisiert: 17.07.2001 - 15:07Berlin (rpo). Jüngere und Höherverdienende haben es besser - das gilt nicht nur allgemein, sondern auch im Hinblick auf die Rentenreform von Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD). Laut einer Studie sind diese beiden Gruppen in der privaten Altersversorge deutlich begünstigt.
Die Rentenreform von Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) mit dem Aufbau einer privaten Altersvorsorge begünstigt vor allem jene, die nach 1970 geboren sind. Zu den Reform-Gewinnern gehören wegen der steuerlichen Förderung der Eigenvorsorge aber auch die mittleren und oberen Einkommensbezieher. Zu diesem Ergebnis kommt eine vergleichende Studie der Wissenschaftler Hans Fehr (Universität Würzburg) und Heinrich Jess von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.
Für den BfA-Vorsitzenden Herbert Rische zeigt die Untersuchung, dass die Riester-Reform "letztendlich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen allen Betroffenen herstellt und einer fairen Lösung am nächsten kommt". Dass Geringverdiener von den "Vorteilen" nicht ganz so stark profitieren wie höhere Einkommensschichten hängt mit dem progressiv wirkenden Steuersystem zusammen, in dem steuerliche Erleichterungen umso stärker wirken, je mehr jemand verdient. Die BfA sieht deshalb auch keine "soziale Schieflage" in der Riester-Reform.
Die Studie macht aber auch deutlich, dass Geringverdiener nur dann einen "Wohlfahrtgewinn" - gemessen in Prozent des verbleibenden Lebenseinkommens - durch die Rentenreform verbuchen können, wenn sie auch die staatlich geförderte, dennoch freiwillige Eigenvorsorge nutzen. Um die Förderung zu erhalten, müssen Beschäftigte einen Eigenbeitrag von vier Prozent des Bruttoeinkommens ab dem Jahr 2008 zurücklegen. Wer als Geringverdiener keine Eigenvorsorge betreibt, muss nach Einschätzung von Fehr damit rechnen, wegen der Einschnitte bei der gesetzlichen Rente im Alter zum Sozialhilfeempfänger zu werden.
In der Untersuchung über Gewinner und Verlierer der Rentenreform werden drei Reform-Konzepte miteinander verglichen: Die Reform des früheren Sozialministers Norbert Blüm von 1999, der erste Entwurf Riesters mit dem so genannten Ausgleichsfaktor und die dann im Mai endgültig verabschiedete Riester-Reform. Aus den Berechnungen der Wissenschaftler ergibt sich, dass junge Geringverdiener von der Blüm- Reform relativ stärker begünstigt worden wären als durch die anderen beiden Varianten. Dagegen belastet die Riester-Reform die heute rentennahen Jahrgänge stärker als die von der rot-grünen Koalition wieder einkassierte Blüm-Reform. BfA-Chef Risches Fazit: "Alle Einkommensgruppen stehen sich nun besser als nach dem Rentenreformgesetz von 1999."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum

