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Berlin/Düsseldorf
Talfahrt in China lässt deutsche Börse abstürzen

Berlin/Düsseldorf. Der Dax fällt unter die Marke von 10.000 Punkten. China wertet seine Währung ab und setzt den Börsenhandel aus.

Der Absturz der chinesischen Aktienbörsen und die Abwertung des Yuan haben gestern an den Finanzmärkten weltweit Schockwellen ausgelöst. Der deutsche Leitindex Dax fiel erstmals seit Oktober wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten. Er hat damit innerhalb von nur vier Handelstagen im neuen Jahr fast seinen gesamten Vorjahresgewinn von zehn Prozent wieder abgegeben. Die Weltbank reduzierte zugleich ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft 2016 von 3,3 auf 2,9 Prozent. Vertreter der deutschen Wirtschaft äußerten sich besorgt, warnten aber auch vor überzogenen Panikreaktionen.

China setzte den Handel an den Börsen aus, nachdem die Kurse zum Handelsbeginn um mehr als sieben Prozent abgestürzt waren. Auslöser des Börsendramas gestern war eine weitere Abwertung der chinesischen Währung Yuan gegenüber dem US-Dollar. Das verunsicherte die Anleger, die nun vermuteten, die tatsächliche Verfassung der chinesischen Wirtschaft sei schlechter als in offiziellen Statistiken angegeben. Gestern Abend beschloss China nun, die Regel zum Aussetzen des Handels aufzuheben. Sie könnte Anleger zusätzlich verunsichern.

"China ist zum Sorgenkind der Weltwirtschaft geworden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. "Das fulminante Wachstum der letzten Jahre kühlt sich 2016 weiter ab. Das Herunterkühlen der Investitionstätigkeit spüren gerade die deutschen Exporteure von Maschinen, Elektrotechnik und Fahrzeugen." Außenhandelspräsident Anton Börner sagte: "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Zeiten sehr hoher Wachstumsraten in China von neun oder zehn Prozent vorbei sind." Chinas Wirtschaft werde aber nicht kollabieren. "Einzelne deutsche Unternehmen wird das treffen, aber insgesamt ist die deutsche Exportwirtschaft so breit aufgestellt, dass sie auch ein rückläufiges China-Geschäft verkraften kann", sagte Börner. Allerdings trübe die Yuan-Abwertung die deutschen Exportchancen ein.

"Der China-Hype dürfte fürs erste vorbei sein", sagte Familienunternehmer-Chef Lutz Goebel. "Die Chinesen haben riesige Kapazitäten aufgebaut, für die die Nachfrage nicht mehr da ist. Die deutsche Wirtschaft wird unter der China-Delle leiden." Andererseits laufe die Nachfrage aus Deutschland und den USA weiter gut, so dass 2016 ein erfolgreiches Jahr werden könne.

Peking hatte chinesischen Privatanlegern Mitte 2014 erstmals den Gang an die Aktienbörsen erlaubt, die daraufhin viel Geld in Aktien anlegten. Dies war einer der Gründe für das Entstehen einer Spekulationsblase, die nun schrittweise platzt. "Die Chinesen hatten ihr Spielcasino an den Aktienmärkten gefunden. Das rächt sich jetzt", sagte Holger Bahr von der Dekabank.

(anh/mar)
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