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Paris
Terror in Paris - mehr als 120 Tote

Paris. Schüsse und Explosionen haben gestern Abend Frankreichs Hauptstadt erschüttert. Eine Geiselnahme von mindestens 100 Konzertbesuchern endete im Massenmord. Von Matthias Beermann

Im Zentrum der französischen Hauptstadt ist es gestern Abend offenbar zu vier Schießereien, mindestens zwei Selbstmordattentaten und einer Geiselnahme gekommen. Französische TV- und Radiosender berichteten übereinstimmend, dass es dabei im 10. und 11. Pariser Arrondissement zahlreiche Tote und Verletzte gegeben hat. Die Lage war zunächst unübersichtlich, Panik brach aus. Über das ganze Land wurde der Ausnahmezustand verhängt, die Grenzen wurden geschlossen.

Die Pariser Polizei sprach in einer ersten Bilanz von zunächst 18, dann von 26 Toten. Diese Zahl wurde später nach Berichten von TV-Sendern auf mehr als 60 erhöht. Nach der Stürmung des Konzertsaals "Bataclan" am frühen Morgen berichtete die Polizei von rund einhundert Toten allein dort.

Eine der Explosionen ereignete sich in der Nähe des Stade de France, wo gerade das Fußball-Länderspiel Frankreich gegen Deutschland stattfand. Es endete 2:0 für die Franzosen. Der Knall war auch während der Fernsehübertragung zu hören. Es soll dabei vier Tote gegeben haben.

Die Serie von Anschlägen traf eines der belebtesten Viertel der französischen Hauptstadt. Die Täter hatten sich offenbar bewusst einige Straßen im 10. und 11. Arrondissement ausgesucht, in denen zahlreiche Bars, Restaurants und Cafés liegen, deren Außenterrassen angesichts des ungewöhnlich milden Novemberwetters gestern Abend sehr gut besucht waren.

Augenzeugen berichteten von fünf oder sechs nicht maskierten Männern, die mit Kalaschnikow-Schnellfeuergewehren bewaffnet waren. Ohne Vorwarnung eröffneten sie das Feuer und schossen lange Salven in zwei voll besetzte Restaurants. "Das hat schrecklich lange gedauert", sagte ein Augenzeuge der Zeitung "Libération". Man habe die Opfer schreien gehört.

Kurz darauf kam es bei einer beliebten Music-Hall unweit davon zunächst zu einer Explosion und dann ebenfalls zu Schüssen. Das "Bataclan" liegt nur ein paar Straßen entfernt von der Redaktion des Satire-Magazins "Charlie Hebdo", das bereits im Januar von einem Terror-Kommando überfallen wurde. Zwei der Täter nahmen danach zahlreiche Geiseln im "Bataclan", wo an diesem Abend ein Heavy-Metal-Konzert stattgefunden hatte. Es war die Rede von rund 100 Personen, die sich in dem verwinkelten historischen Gebäude in der Gewalt der Terroristen befanden.

Schwerbewaffnete Polizisten bezogen Stellung. Anwohner sowie Gäste der umliegenden Restaurants durften die Gebäude nicht verlassen. Nach der Ermordung von Geiseln begann die Polizei mit dem Sturm auf die Halle.

Offenbar handelte es sich auch um Selbstmordattentate mit Sprengstoffgürteln, die mit Nägeln gefüllt waren. Die Polizei berichtete weiter, dass Beamte von Unbekannten beschossen wurden und das Feuer erwiderten. Kurz vor Mitternacht wurde ein vierter Terrorangriff gemeldet. 200 Soldaten wurden nach Paris geschickt. Auch an weiteren Orten in der Umgebung des Zentrums sollen Menschen getötet und verletzt worden sein. Die Polizei sperrte die gesamte Gegend weiträumig ab, Augenzeugen berichten von chaotischen Szenen.

Die Täter im Zentrum haben nach Angaben von Augenzeugen das Feuer aus einer schwarzen Limousine heraus eröffnet. In den besonders von Touristen besuchten Zonen in Paris zog ein großes Polizeiaufgebot auf. Auch die Armee wurde mobilisiert. Eine Krisensitzung mit Innenminister Bernard Cazeneuve, Präsident Francois Hollande sowie hohen Polizeioffizieren wurde kurzfristig einberufen. Der Sender RTL berichtete, es gebe Hinweise auf eine noch weit schwerere Opfer-Bilanz, wonach allein im Stadtzentrum noch mehr Menschen erschossen worden seien.

Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande war sofort aus dem Fußballstadion gebracht worden. Der Polizeipräfekt von Paris untersagte allen Zuschauern zunächst, das Stadion zu verlassen. Noch zwei Stunden nach dem Abpfiff musste auch die deutsche Mannschaft dort noch ausharren.

Spekuliert wurde, ob eine aktuelle Entscheidung der französischen Regierung mit der Terrorserie zusammenhängen könnte: Der französische Flugzeugträger "Charles de Gaulle" bricht kommende Woche in den Persischen Golf auf, um sich an den Luftangriffen gegen die Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat zu beteiligen.

Quelle: RP
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