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Nach Festnahmen: Terror-Verdächtige vor Ermittlungsrichter

zuletzt aktualisiert: 24.04.2002 - 14:33

Karlsruhe (rpo). Die elf mutmaßlichen islamistischen Terroristen, die am Dienstag festgenommen worden sind, sind vor dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs erschienen.

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen hat der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes am Mittwoch in Karlsruhe mit der Vernehmung der am Vortag festgenommenen mutmaßlichen islamischen Terroristen begonnen. Auf Grund der Beweislage und wegen der großen Gefahr, die von den Männern ausgehe, sei mit Haftbefehlen zu rechnen, hieß es in Sicherheitskreisen. Die Bundesanwaltschaft will das Ergebnis der Verhöre erst am (morgigen) Donnerstag auf einer Pressekonferenz (11.00 Uhr) bekannt geben.

Als erster war gegen 12.00 Uhr unter strenger Bewachung der mutmaßliche Kopf der Gruppe, der Palästinenser Yaser H., mit dem Hubschrauber in Karlsruhe eingetroffen und gefesselt zum Verhör gebracht worden. Im Laufe des Tages sollten weitere der elf am Dienstag festgenommenen Mitglieder und Unterstützer der sunnitisch-palästinensischen Organisation El Tawhid in Karlsruhe eintreffen und dem Richter vorgeführt werden. Ob Generalbundesanwalt Kay Nehm gegen alle einen Haftbefehl beantragen wird, war am Mittwoch unklar.

In Geheimdienstkreisen hieß es ergänzend, es werde schon seit längerem gegen die El-Tawhid-Gruppe ermittelt. Weil "man einiges in der Hand" habe und weil manche der Verdächtigen ein "hohes Gefahrenpotenzial" darstellten, sei davon auszugehen, dass eine Reihe der Männer in Untersuchungshaft genommen würden.

Bundesinnenminister Otto Schily bestätigte am Rande einer Kabinettssitzung in Berlin, die Ermittlungen gegen El Tawhid seien bereits "seit einiger Zeit" geführt worden. Auf die Frage, ob die Festgenommenen in Verbindung zur Terrororganisation El Kaida von Osama bin Laden stünden, sagte Schily, es sei "zu früh, das abschließend beurteilen zu wollen". Nach dem derzeitigen Sachstand scheine es aber "eher so zu sein, dass es sich um eine eigenständige Gruppierung handelt". Es sei aber eine Gruppe, "die in Verdacht steht, an der Vorbereitung von terroristischen Anschlägen beteiligt gewesen zu sein", fügte Schily hinzu.

Yaser H. gilt nach Angaben der Ermittlungsbehörden vom Dienstag als Hauptverdächtiger der Elfer-Gruppe. Neben zahlreichen anderen Objekten waren zwei Wohnungen Yasers in Essen durchsucht worden. Der 36-Jährige unterhält der Bundesanwaltschaft zufolge "vielfältige Beziehungen zu Kontaktleuten in ganz Deutschland". Die Verdächtigen sollen nach unbestätigten Berichten von Deutschland aus Afghanistankämpfer logistisch unterstützt haben und in Kontakt mit dem El-Kaida-Netzwerk des Osama bin Laden stehen.

Vermutlich Terroranschläge vorbereitet

Nach Einschätzung der Ermittlungsbehörden könnte die El-Tawhid-Gruppe auch Terroranschläge in Deutschland vorbereitet haben. Die Festgenommenen seien überwiegend mit Passfälschung, Spendensammeln und der Schleusung von Kämpfern befasst gewesen. Nach Informationen der ARD hatten die Festgenommenen auch Waffenkäufe getätigt. Einige von ihnen sollen selbst in Ausbildungslagern in Afghanistan gewesen sein.

Da mit richterlichen Entscheidungen erst in den späten Abendstunden zu rechnen sei, bat die Bundesanwaltschaft am frühen Mittwochnachmittag um Verständnis, "dass heute keine weiteren Einzelheiten zu den Ermittlungen mitgeteilt werden". Nehm werde am Donnerstag, 11.00 Uhr, vor der Presse Auskunft geben.

Weiteres mutmaßliches El-Kaida-Mitglied in Spanien festgenommen

Nach der Festnahme eines mutmaßlich ranghohen Mitglieds des Terrornetzwerkes El Kaida in Spanien hat die Polizei einen Komplizen des Mannes gefasst. Das teilte Innenminister Mariano Rajoy in Madrid mit. Demnach stehen die beiden Festgenommenen im Verdacht, über mehrere Firmen die El-Kaida-Organisation von Osama bin Laden in mehreren Ländern mitfinanziert zu haben. Sie sollen etwa große Geldsummen nach Deutschland an die Gruppe um Mohammed Atta überwiesen haben, einen der Attentäter vom 11. September in den USA.

Quelle: RPO Archiv

 
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