| 10.28 Uhr

New York
Terrorfahndung mit Erfolg

New York. Ein 28-jähriger US-Bürger afghanischer Herkunft ist der Hauptverdächtige im Fall der Bombenexplosion im Ausgehviertel Manhattans. Von Frank Herrmann

Ahmad Khan Rahami liegt festgeschnallt auf einer Trage. Er blutet aus einer nur notdürftig verbundenen Wunde am rechten Oberarm, aber er ist bei Bewusstsein, als Polizisten ihn auf der Trage in einen Krankenwagen schieben. Auf einer regennassen Straße in Linden, einer Satellitenstadt im Vorortgürtel New Yorks, ist er bei einem Schusswechsel mit Ordnungshütern verletzt worden. Es ist das sehr schnelle Ende einer Terrorfahndung, die in New York und im sonst eher schläfrigen Vorortmilieu New Jerseys für ein paar Stunden die Nerven blank liegen ließ.

Rahami, ein 28 Jahre alter, in Afghanistan geborener Amerikaner, steht im Verdacht, im New Yorker Stadtteil Chelsea eine Bombe gezündet und weitere Anschläge geplant zu haben. Bevor gestern Bilder seiner Festnahme die Runde machten, gab es ein wahres Nervendrama. Denn vorausgegangen war am Morgen ein mobil übermittelter, millionenfach abgesetzter Fahndungsaufruf der Polizei, angekündigt durch einen schrillen, nervigen Ton auf dem Handy, der einen sofort aufschrecken ließ. Er galt einem Mann, von dem es hieß, dass er für eine Explosion im Vergnügungsviertel Chelsea verantwortlich sein könnte. "Gesucht! Ahmad Khan Rahami, 28 Jahre alt", war auf den Displays der Smartphones zu lesen. Man solle den Notruf, 911, anrufen, falls man ihm begegne.

Erstmals sagten die Behörden nun auch, dass die Detonation vermutlich einen terroristischen Hintergrund habe und es möglicherweise Verbindungen ins Ausland gebe. In New York, wo diese Woche mehr als 130 Staats- und Regierungschefs zur Vollversammlung der Uno erwartet werden, wurden die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal deutlich verstärkt, von schärferen Kontrollen in der U-Bahn bis hin zu erhöhter Polizeipräsenz am World Trade Center.

Bürgermeister Bill de Blasio wollte anfangs keine Details nennen, erklärte aber, die Sicherheit der Stadt könnte davon abhängen, dass der Mann so schnell wie möglich gefasst werde. Rahami, 1988 in Afghanistan geboren, ist US-Bürger. In Elizabeth, einer Pendlerstadt im Umfeld New Yorks, soll er seinen Lebensunterhalt verdient haben, indem er in der rund um die Uhr geöffneten Hähnchenbraterei seiner Familie arbeitete. "First American Fried Chicken" steht auf einem blauen Schild über dem Laden.

Ob die Sprengsätze von Rahami, von mehreren, jeweils auf eigene Faust handelnden Personen oder aber koordiniert von den Mitgliedern einer Terrorzelle gebastelt wurden, blieb zunächst offen. Ermittler sahen gestern keine Hinweise darauf, dass Rahami in direkter Verbindung zum Islamischen Staat oder zu Al Kaida steht. Allerdings, betonen sie, habe die Suche nach eventuellen Hintermännern gerade erst begonnen. Bisher wisse man so gut wie nichts über den Verdächtigen, weder über seine Ideologie noch über seine Motive. Der Sender CNN berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, Rahami sei in den vergangenen Jahren mehrfach nach Afghanistan gereist.

Nur wenige Stunden vor dem ungewöhnlichen Handy-Alarm hatten Fahnder der Bundespolizei FBI am Bahnhof von Elizabeth, Rahamis Wohnort, südwestlich der Hochhausinsel Manhattan gelegen, einen Rucksack mit verdächtigen Paketen entdeckt. Einer der Sprengsätze sei während des Versuchs, ihn mit Hilfe eines Roboters zu entschärfen, in die Luft gegangen, hieß es in einer Mitteilung des FBI.

Wie die "New York Times" unter Berufung auf Ermittlerkreise meldete, besteht zwischen den Explosionen und Bombenfunden an drei Orten im Ballungsraum New York offenbar ein Zusammenhang. Am Samstagabend waren bei der Detonation in Chelsea, einem Trendviertel im Süden Manhattans, 29 Menschen verletzt worden. Nur wenige Stunden zuvor war in Seaside Park, einer Kleinstadt an der Atlantikküste New Jerseys, ebenfalls eine Bombe detoniert. Sie sollte offenbar während eines Benefizrennens zugunsten von Armeeveteranen hochgehen, eines Rennens, an dem mehr als 5000 Hobbyläufer teilnahmen. Es kam nur deshalb niemand zu Schaden, weil sich der Start des Rennens verzögerte. Der dritte mutmaßliche Anschlagsort war die Bahnstation von Elizabeth.

Quelle: RP
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