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Mönchengladbach
Terrorverdacht: Salafist Lau in Haft

Mönchengladbach. Weil er eine IS-nahe Terrororganisation unterstützt haben soll, wurde der Salafistenprediger gestern in Mönchengladbach festgenommen. Zuvor soll seine Wohnung in Düsseldorf durchsucht worden sein. Von Jörg Isringhaus und Gabi Peters

Mit Sven Lau ist einer der führenden Köpfe der Salafisten-Szene gestern in Mönchengladbach festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 35-Jährigen vor, in vier Fällen die terroristische Vereinigung "Dschaisch al-Muhadschirin wa-l-Ansar", ("Armee der Auswanderer und Helfer", kurz: Jamwa) unterstützt zu haben. Jamwa ist nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft eng mit der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) verbunden. Beide verfolgen das Ziel, einen sogenannten Gottesstaat zu errichten, in dem ausschließlich das islamische Recht (Scharia) gilt. Lau hatte im vergangenen Jahr bundesweit als Initiator der "Scharia-Polizei" Empörung ausgelöst. Damals waren mit Warnwesten ausgestattete Islamisten als Sittenwächter durch Wuppertal patrouilliert. Das zuständige Landgericht hatte den Auftritt als nicht strafbar bewertet.

Die neuerlichen Vorwürfe wiegen schwerer. Konkret soll Lau den deutschen Konvertiten Ismail I. sowie eine weitere Person an eine in Syrien stationierte Kampfeinheit der Jamwa vermittelt haben, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Außerdem soll Lau später selbst nach Syrien gereist und Ismail I. Bargeld in Höhe von 250 Euro überbracht haben. Dazu beschaffte Lau laut Bundesanwaltschaft drei Nachtsichtgeräte und transportierte sie selbst oder über eine islamistische Hilfsorganisation ins syrische Basislager der Jamwa. Ausschlaggebend für die Festnahme Laus seien neue Bewertungen der Propaganda gewesen, die der salafistische Prediger verbreitet habe, erklärte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Außerdem verdichteten sich Informationen über die Organisationen, für die Lau Spenden eingeworben habe.

Bereits am 24. Februar 2014 war Lau in seiner Geburtsstadt Mönchengladbach festgenommen worden. Schon damals wurde ihm vorgeworfen, dass er Dschihadisten rekrutiert und logistische und finanzielle Unterstützung für Terrorgruppen geleistet haben soll. Lau kam nach Mannheim in Untersuchungshaft und schrieb später ein Buch, in dem er auch über seine Erfahrungen dort berichtet. Am 22. Mai, drei Monate später, musste der ehemalige Mönchengladbacher Feuerwehrmann aber wieder freigelassen werden. Der Bundesgerichtshof hatte kurz zuvor ein Urteil gegen einen salafistischen Bombenbauer aufgehoben, weil eine Verurteilung nach dem Anti-Terror-Gesetz nur dann erfolgen dürfe, wenn dem Beschuldigten "der feste Entschluss" zu einer Gewalttat nachgewiesen werden kann. Es reiche nicht, wenn er dies erwägt oder billigend in Kauf nehme. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft nahm daraufhin die Anklage gegen Lau zurück.

Dennoch wurde gegen den heute 35-Jährigen weiter ermittelt. Internet-Videos zeigten Sven Lau bereits 2013 in Syrien. Auf einem Foto ist er auf einem Panzer in Syrien mit einer Kalaschnikow zu sehen. Sicherheitsbehörden bestätigen, dass Lau auf dem Bild zu sehen ist. Er selbst behauptete, zu humanitären Zwecken nach Syrien gereist zu sein.

Der salafistische Prediger sei bereits seit Jahren im Visier der Sicherheitsbehörden, erklärte Jäger. Lau, Vater von fünf Kindern, lebt in Düsseldorf-Holthausen. Seine Wohnung soll gestern Morgen durchsucht worden sein. Laut Jäger habe Lau mutmaßlich viele junge Leute in den Extremismus gelockt. "Diesen fanatischen Hetzern machen wir klar: Der Rechtsstaat wehrt sich gegen Gewalt und Extremismus", sagte Jäger. Lau sollte gestern dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden.

Quelle: RP
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