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München
Iraker soll Polizei vor Terror in München gewarnt haben

Pressestimmen : "Der IS-Terror ist Teil des Alltags geworden"
Pressestimmen : "Der IS-Terror ist Teil des Alltags geworden" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO
München. Wie real war die Gefahr an Silvester? Die Polizei weiß das bisher nicht. Der Innenminister fordert mehr Kooperation mit dem Ausland.

Der Anti-Terror-Einsatz zu Silvester in München wirft viele Fragen auf - und hat die Debatte über schärfere Terrorgesetze neu angefacht. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) fordert als Konsequenz eine engere Zusammenarbeit mit ausländischen Sicherheitsbehörden. "Auch im neuen Jahr bleibt die Lage sehr ernst", betonte er. "In Zukunft wird es noch intensiver als bisher darauf ankommen, dass wir mit den Sicherheitsbehörden anderer Staaten eng zusammenarbeiten und Informationen austauschen", sagte de Maizière der "Bild"-Zeitung. Ähnlich äußerte sich Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU).

Nach dem Terroralarm von München fahndet die Polizei weiter nach möglichen Verdächtigen aus Syrien und dem Irak. Unklar blieb aber auch am Wochenende, welchen realen Hintergrund die Warnungen hatten, die die bayerische Landeshauptstadt in Aufregung versetzt hatten. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte: "Die Bedrohung war ernst zu nehmen, und die Behörden haben total richtig reagiert."

Die Polizei hatte am Silvesterabend den Münchner Hauptbahnhof sowie den Bahnhof im Stadtteil Pasing evakuiert. Der Aktion waren Hinweise befreundeter Geheimdienste vorausgegangen. Ihnen zufolge bestand der konkrete Verdacht, dass fünf bis sieben Anhänger des IS gegen Mitternacht Anschläge wie in Paris verüben wollten. Laut "Süddeutscher Zeitung", WDR und NDR waren die Personen in einem Münchner Innenstadt-Hotel untergekommen, aber nicht auffindbar. Nach einem Bericht des ZDF ergab ein Abgleich mit Anti-Terror-Datenbanken keine Treffer.

Ein erster Hinweis auf einen geplanten Anschlag um den 6. Januar herum soll bereits am 23. Dezember bei der Polizei in Karlsruhe eingegangen sein. Ein Iraker habe sich gemeldet und angegeben, sein im Irak lebender Bruder kenne die Attentäter, berichteten der Bayerische und der Südwestrundfunk. Spezialisten des Landeskriminalamts hätten dann mit dem Bruder telefoniert.

Der Mann nannte den Berichten zufolge neben dem Zeitraum um Dreikönig auch als Anschlagsziel den Münchner Nahverkehr. Er habe zudem arabische "Allerweltsnamen" von sieben Männern genannt, die bereits in München seien. Weder die Karlsruher Staatsanwaltschaft noch die Polizei wollte das kommentieren. Der Terroralarm wurde erst ausgelöst, als an Silvester ein konkreterer Hinweis aus Frankreich die Sicherheitsbehörden erreichte. Ein früher Tipp soll auch aus den USA gekommen sein.

Die Polizei stufte die Terrorgefahr in München gestern nur noch als "abstrakt" ein. Konkrete Hinweise auf eine weitere Terrordrohung gebe es nicht. Allerdings lösten zwei Fehlalarme in Bayern Unruhe aus. In der Nacht zu gestern wurde der Münchner Bahnhof Pasing teilweise erneut gesperrt, nachdem ein Sprengstoffhund dort angeschlagen hatte. In Mammendorf nahe der Landeshauptstadt wurde nach einer Bombendrohung ein Zug gestoppt und durchsucht. In beiden Fällen wurde nichts gefunden.

(dpa)
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