Dänischer Kronprinz bricht zu Polar-Expedition auf: Thronfolger reist 3 500 Kilometer mit dem Schlitten
zuletzt aktualisiert: 10.02.2000Kopenhagen/Qaanaaq (dpa). Für Dänemarks Kronprinz Frederik beginnt an diesem Freitag ein viermonatiges Abenteuer in klirrender Polarkälte. Zusammen mit fünf weiteren jungen Männern aus Dänemark und 39 Schlittenhunden bricht der 31 Jahre alte Thronfolger von der nordwest-grönländischen Siedlung Qaanaaq zu einer 3 500 Kilometer langen Schlittenexpedition auf, die an der äußersten Nordspitze Grönlands in Richtung Nordpol führt. Danach geht es in südlicher Richtung längs der Ostküste, ehe die Gruppe, wenn alles gut geht, im Juni ihr Ziel Mestersvig anpeilen kann.
Froschmann Pingo", wie Frederik von den Dänen wegen seiner Begeisterung für die Zeit als Marinesoldat gern genannt wird, hat sich über sechs Wochen in Qaanaaq mit seinen Kameraden von der "Expedition Sirius 2000" in der Polarkälte akklimatisiert. Dabei habe der Thronfolger sich bestens mit den örtlichen Seehundjägern angefreundet, berichtete die Gruppe der Nachrichtenagentur Ritzau. Frederik ging dabei Beschäftigungen wie dem Umnähen von Geschirr für die Schlittenhunde nach. Der Kontakt zur lokalen Bevölkerung sei ausgezeichnet; der Abschied am Freitag um 15 Uhr MEZ werde allen schwer fallen, wurde weiter über Satellittelefon ins heimatliche Kopenhagen mitgeteilt. Seehundjäger Ussaqaq Qujaukitsok und fünf weitere Qaanaaqer wollen der Prinzen-Expedition als Reiseführer über die ersten Etappen helfen, die als die schwersten gelten.
Alle Beteiligten geben sich gegenüber der Öffentlichkeit daheim sichtlich Mühe, den älteren der beiden Söhne von Königin Margrethe II. (59) als "ganz normalen" Teilnehmer einer spannenden Expedition zum 50. Geburtstag der dänischen "Sirius-Patrouillen" entlang der nordgrönländischen Küste zu feiern. Als nicht ganz normal allerdings empfinden Kritiker, dass die dänische Luftwaffe eigens zwei Überwachungsflugzeuge vom Typ Gulf nach Grönland abkommandiert, um den voraussichtlich nächsten König Dänemarks bei Bedarf schnell und sicher aus arktischen Nöten zu befreien. Dass zu diesem Zweck die Überwachung von Ölverunreinigungen auf Nord- und Ostsee eingeschränkt werden muss, nannte der Vorsitzende des Umweltausschusses im "Folketing", Jörn Jespersen, "eine schlechte Idee".
Der Prinz ist in seiner Heimat überaus populär und zuletzt zwei Jahre hintereinander zum "Dänen des Jahres" gewählt worden. Der Fernsehsender "tv2" dürfte im Dezember mit einer groß angelegten Serie von sechs geplanten Sendungen über die Expedition für eine sichere Wiederwahl sorgen. Wer darauf nicht warten mag, kann täglich im Internet ein von allerlei Sponsornamen umrahmtes Expeditionstagebuch lesen (http://expedition.tv2.dk). "Täglich, falls möglich", heißt es allerdings einschränkend mit Blick auf die zu erwartenden Schneestürme bei zunächst weitgehend kompletter Dunkelheit und Temperaturen bis 50 Grad Minus.
Königin Margrethe macht sich daheim keine Sorgen um das Wohl ihres Sohnes. "Schön, dass er so was Spannendes erleben kann", meinte die Monarchin kurz vor dem Expeditionsstart. Selbst lesen kann sie die als E-Mail über Satellitentelefon geschickten Sirius-Tagebücher nicht, bekannte die Regentin freimütig. Wie es sich wohl auch für eine dänische Königin gehört, gebe es auf Schloss Amalienborg aber andere, die die E-Mails ihres Sohnes öffnen würden.
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