Redakteure des Satiremagazins als Wahlkämpfer: "Titanic" leimt FDP-Kreisvorsitzenden
zuletzt aktualisiert: 10.06.2002 - 15:41Eisenach (rpo). Redakteure des Satiremagazins "Titanic" haben sich als FDP-Wahlkämpfer ausgegeben und einen FDP-Kreisvorsitzenden geleimt, der vor antisemitischen Plakaten posierte.
Der FDP-Kreisvorsitzende im thüringischen Eisenach, Klaus Schneider, sieht sich durch eine Aktion des Satiremagazins "Titanic" in ein falsches Licht gerückt. "Titanic"- Chefredakteur Martin Sonneborn und mehrere Mitarbeiter hatten sich am Donnerstag in Eisenach als Junge Liberale ausgegeben und mit antisemitischen Plakaten für die FDP geworben. Schneider traf auf die Gruppe und schüttelte Sonneborn vor einem Fotografen die Hand.
Schneider sagte am Sonntag der dpa, er sei den "Burschen auf den Leim gegangen und überrumpelt worden". Die Jungen Liberalen Thüringens wollen Anzeige gegen die "Titanic" erstatten, wie ihr Sprecher Andreas Ludwig ankündigte.
Die "Titanic"-Mitarbeiter hatten am Donnerstag als angebliche Jungliberale vor einem "Guidomobil" Passanten gefragt, ob der Vizepräsident des Zentralrates der Juden, Michel Friedman, in die "Heimat zurückgeschickt" werden solle. Sie postierten sich mit drei vorgeblichen FDP-Plakaten. Eines zeigte Friedman mit einem roten Kreuz vor dem Mund, auf dem stand: "Gib endlich Friedman!", darunter die Parole "Judenfrei und Spaß dabei!"
Schneider kommentierte dieses Plakat nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag) mit den Worten: "Das ist Verpackung, das gehört dazu." Der dpa sagte er jetzt, er habe die Plakate, vor allem das mit Friedman, in der Hektik nicht richtig wahrgenommen. Erst später sei ihm durch Anrufe und Zeitungsberichte klar geworden, dass er Bauernfängern aufgesessen sei. Er wolle, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. FDP-Landeschef Andreas Kniepert sagte, Schneider sei bewusst "geleimt" worden.
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