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FDP-Kreisvorsitzender von Satire-Zeitschrift geleimt: Titanic-Opfer wehrt sich: "Das war infam"

zuletzt aktualisiert: 11.06.2002 - 11:31

Eisenach (rpo). Redakteure des Satiremagazins "Titanic" haben sich als FDP-Wahlkämpfer ausgegeben und einen FDP-Kreisvorsitzenden geleimt, der vor antisemitischen Plakaten posierte. "Das war infam", empörte sich der Betroffene.

Der Vorsitzende des FDP-Kreisverbandes Eisenach-Stadt, Klaus Schneider, wehrt sich gegen die "Titanic". Die neueste Ausgabe des Satire-Magazins zeigt ihn lachend und händeschüttelnd vor eindeutig antisemitischen und sexistischen Plakaten mit Aufschriften wie "Deutsche wehrt Euch! Wählt FDP!" oder "FDP-judenfrei und Spaß dabei". Grünen-Politiker üben in diesem Zusammenhang heftige Kritik an Schneider und sprechen von einem fahrlässigen Verhalten des Lokalpolitikers.

Redakteure des Satiremagazins haben sich am vergangenen Donnerstag in Eisenach als junge Liberale ausgegeben und die Reaktion von Passanten auf antisemitische Sprüche getestet. So war auf einem Plakat der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Michel Friedman, mit einem Kreuz über dem Mund und dem Spruch "Gib endlich Friedman!" abgebildet. Ein anderes Plakat zeigte in einer Fotomontage eine nackte Cornelia Pieper mit einem ehemaligen Pornodarsteller unter dem Slogan: "FDP - die liberale Spasspartei!"

"Was mir geschehen ist, entbehrt jeglicher Kultur des Umgangs miteinander", empört sich Schneider im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. "Das war nicht nur infam, das war schon kriminell und hat mit demokratischen Gepflogenheiten nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun!" Am Donnerstag sei er telefonisch von einem Herrn Gärtner gebeten worden, zum FDP-Infostand in die Eisenacher Karlsstraße zu kommen. Er habe zugesagt und dort "eine Reihe von Mitstreitern" gefunden - "alles und alle in blau-gelb, völlig unverfänglich", wie er am Freitag auch in einem Brief an die Bundesgeschäftsstelle der FDP geschrieben habe. Die Plakate mit den eindeutigen Slogans will er dabei nicht gesehen haben.

Gärtner, der in Wahrheit der Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn gewesen sei, habe ihm mitgeteilt, dass man an dem Infostand die Meinung zu den jüngsten Äußerungen von Jürgen W. Möllemann erkunden wolle.

"Nach meiner Meinung befragt, äußerte ich mich in der Form, dass es sich hierbei um ein sehr sensibles Thema handelt, da die Wunden, welche die Deutschen dem jüdischen Volk mit dem Zweiten Weltkrieg zugefügt haben, noch lange nicht verheilt sind und auch ein Herr Möllemann gut beraten sei, das Thema mit der gebotenen Zurückhaltung zu behandeln, selbst wenn seiner und mitunter auch meiner Auffassung nach Herr Friedman in seinen Sendungen nicht immer den richtigen Ton trifft."

Das ganze Gespräch nebst einem Gruppenfoto habe nicht länger als 15 Minuten gedauert. Die Plakate habe er gar nicht wahrgenommen, beteuert Schneider. Erst im Nachhinein sei ihm durch eine Reihe von Anrufen klar geworden, "welchen skrupellosen Bauernfängern ich aufgesessen bin". Der FDP-Politiker kämpft nun um seinen Ruf, denn wenn Unschuldige einmal demontiert würden, dann seien sie es gleich für immer, meint er und erwägt eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Satiremagazin.

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, sieht das freilich anders. "Nachdem sich die Thüringer FDP erst in der letzten Woche hinter die unsäglichen Äußerungen von Jürgen W. Möllemann" gestellt habe, unterstütze jetzt Schneider offensiv platte rechte Parolen, betont Göring-Eckardt. Der Eisenacher FDP-Kreisvorsitzende habe sich damit außerhalb des demokratischen Konsens begeben. "Wenn er jetzt erklärt, dies nicht bemerkt zu haben, war das höchst fahrlässig", sagt die Grünen-Politikerin und verlangt eine inhaltliche Klarstellung.

Quelle: RPO Archiv

 
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